Feeds und Weltuntergang

Momentan regen sich — gefühlt— alle Journalisten, Blogger und (dieser Eindruck könnte entstehen) der Rest der Welt, über die Aufgabe des Google Reader auf. Der ein oder andere hat gar erkannt, dass die Überlassung all meiner Daten an ein großes, wirtschaftlich ausgerichtetes Unternehmen gar nicht so toll sein könnte. Immerhin: Schuss noch gehört.

Der Burner

Ich hänge es nicht an die Glocke, es dürfte jedoch in meinen Beiträgen durchweg erkennbar sein, dass ich gegenüber „Trends“ immer etwas skeptisch bin. Buzz-Wörter wie beispielsweise „Cloud“, „Facebook“, „Google+“, „Tumblr“, „Twitter“, usw. und dem, was sich dahinter aufbaut, begegne ich immer mit einem gesunden Maß Skepsis. Denn alle, wirklich alle — auch Altruisten — müssen am Ende des Tages ihr Essen selbst bezahlen. Wenn dann noch ein Unternehmen die Welt beglückt, das Aktionäre befriedigen muss, gibt es aus meiner Sicht keine Fragen mehr. Die Geldgier eines Teils dieser Spezies ist in meinen Augen schuld an den Problemen, mit denen sich Europa und die Welt herumschlägt. Wer annahm, das Netz würde davon unberührt bleiben, glaubt wahrscheinlich auch noch an den Weihnachtsmann.

Da viele von der Tagesaktualität abhängige Autoren vor allem voneinander abschreiben, reduzieren sich für deren Leser Probleme auf einige Wenige, die Lösungen werden stereotyp. Das große Rauschen ist fertig, alle klopfen sich stolz auf die Schulter, denn man hat den Trend erkannt — oder zumindest rechtzeitig das „Beben gespürt“ und darauf reagiert. Aber was ist es wirklich?

Natürlich reagiere ich mit diesem Eintrag ebenfalls auf das, was da aktuell passiert. Ich werde so genauso Teil des Trends. Allerdings verfalle ich nicht in Katzenjammer, denn da ich mich nie von irgendwelchen speziellen Diensten abhängig gemacht habe und regelmäßig meine Arbeitsweise und Werkzeuge hinterfrage, habe ich – trendmäßig betrachtet – womöglich nicht ganz vorne mitgespielt, dafür rollt mein Ball unbeeindruckt weiter. Ich halte es mit dem (mittlerweile revidierten) Phänomen bei den Lemmingen: Wer ganz vorn steht, geht als erster über die Klippe. Die Feldherren der Antike standen ebenfalls meistens hinter dem Heer: Nägel werden nicht mit dem Kopf, sondern mit dem Hammer, der durch den Kopf geführt wird, in die Wand geschlagen.

Für das Lesen von Feeds stellen mittlerweile diverse Mailprogramme ebenfalls Lösungen bereit. Ich nehme dafür Opera. Mag sein, dass der beweinte Google Reader ein paar Tricks kann, die mir dort fehlen. Interessiert mich das? Nein. Denn lesen und aussuchen muss ich die Feeds immer noch selbst. Und ich lese gern Originale, keine eingedampfte Aggregation, für die Yahoo mit Summly gerade ein Vermögen ausgegeben hat. Wenn unsere Zukunft im Wesentlichen aus Reduktion bestehen soll, wird es — aus meiner Sicht — an ganz anderen Stellen dunkel. Das Werkzeug für die Verdunkelung ist dabei eher sekundär.

Für die Kommunikation bin ich nach wie vor erklärter Anhänger von E-Mail und die im Text-Format, ohne Bilder. Nicht hipp, kann meistens nur einer Lesen, ich brauche ein E-Mail-Programm oder mein Anbieter muss mir dafür ein Webinterface anbieten — oder auch nicht. Aber genau das ist die Stärke des Verfahrens: Ich will doch meistens gar nicht, dass die Welt mitliest. Ich schätze Privatsphäre! Für Mails gibt es reichlich Werkzeuge, wer Postfächer anbietet, hat meistens ein Web-Werkzeug für die Bearbeitung. Wenn ich der Welt etwas anbieten will, mache ich das beispielsweise hier. Damit ist es für mich schwieriger, Teil des Trends zu werden. Aber das halte ich aus. Denn „Daumen hoch“ als Maßzahl für meine Meinung, helfen im realen Leben wenig. Ein Klick is