Noch ein Editor

Es gibt Leute, die nehmen einen Editor für alles. Würde ich durchaus ebenfalls machen, wenn es keine Grenzen gäbe, an die ich mit einem immer stoße. Deshalb verwende ich mehrere, von denen einer situationsabhängig gerade „mein Liebster“ ist.

Anfang 2014 hatte ich mich für SynWrite begeistert. Allerdings wurde der vom Autor zugunsten eines anderen Editor-Projekts stiefmütterlicher behandelt. Sein Bestreben, die beiden Projekte anzunähern, machten SynWrite für mich unattraktiver. Außerdem hat er bei größeren Dateien Geschwindigkeitsprobleme. Daher wechselte ich wieder zu PSPAD. Jetzt stellte sich jedoch immer wieder das Ärgernis ein, dass mir dort ein paar Sachen fehlten, weshalb ich SynWrite verwendet habe. Da ist mir dann eingefallen, dass hier noch Notepad++ rumliegt. Weil der immer mal wieder Retter in der Not war, dachte ich mir: schau dir den mal (wieder) genauer an.

Ich habe mir die aktuelle x64-Version herunter geladen. Dafür stehen deutlich weniger Plugins bereit als für die x32 Version. Die Zahl der Plugins ist immens, vieles davon ist jedoch bestenfalls ein Entwurf oder seit Jahren ungepflegt. Wie für Notepad++ selbst sind für Plugins Anleitungen, sogar Beschreibungen, was die Erweiterung genau macht, Mangelware. Dem versuchen diverse Berufene mit YouTube-Videos beizukommen. Bei meinen Stichproben habe ich jedoch keins gefunden, was den Erkenntnisgewinn in ein akzeptables Verhältnis zum Zeiteinsatz setzt. Selbst ein bisschen Herumprobieren erscheint mir der effizienteste Weg zum Erfolg.

Notepad++ wirkt auf mich immer ein bisschen unfertig, weil Übersetzungen unvollständig sind oder Zusatzpakete sich holprig in die Umgebung einfügen. Deshalb konnte er sich bisher nie so recht bei mir einschmeicheln. Wer darüber hinweg sehen kann, hat einen sehr leistungsfähgigen und erweiteren Texteditor im Zugriff, der u.a. etwas kann, was PSPAD fehlt: Code-Folding und Multi-Cursor.

Für das Ein- und Ausfalten kann ich sogar verschiedene Darstellungen konfigurieren. Über das Kontext-Menü kann ich einen gerade markieren Bereich bzw. die aktuelle Zeile spontan ausblenden. Das ist bei schlichtem Text hilfreich, denn so lässt sich z.B. ein Einschub temporär ausblenden. Eine „im markierten Block automatisch gleiche Worte ändern“-Funktion wie in SynWrite fehlt leider. Das schätze ich sehr, weil ich das im Delphi-Editor gern nutze. Ein leidlicher Ersatz ist die Möglichkeit, mit gedrückter STRG-Taste mehrere Bereiche, diskontinuierliche Blöcke, zu markieren. Kombiniert mit dem Plugin BetterMultiSelection wird die mehrfach-Bearbeitung speziell in Programm-Code recht komfortabel.

Für das Arbeiten mit Markdown gibt es ebenfalls ein ordentliches Plugin, den MarkdownViewerPlusPlus. Das übersetzt die Markdown-Eingabe auf Basis eines individuellen CSS in HTML. Die Anzeige kann direkt in eine HTML-Datei oder ein PDF-Dokument gespeichert werden. Das funktioniert recht gut und erweitert die Auswahl meines Markdown-Editor-Sammelsuriums, bzw. könnte es mittelfristig überflüssig machen. Denn in Kombination mit dem Markdown Syntax Highlighting wird Notepad++ ohne Kosten leistungsfähiger wie so mancher kostenpflichtige (reine) Markdown-Editor. Allerdings ist die CSS-Darstellung z.T. fehlerhaft und einige Markdown-Befehle (z.B. Listen) werden ignoriert.

Die im x64-Download mitgelieferte Rechtschreibprüfung kann sowohl mit Hunspell oder Aspell direkt unterkringeln oder mit einem Sortiment alternativer Markierungen anzeigen lassen. Sehr angenehm ist der Tastenbefehl zum ein- und ausblenden der Fehlermarkierungen, sowie die Befehle für nächsten/vorigen Fehler – die unabhängig von der Farbmarkierung funktionieren.

Ich verwende als Marke „Round Box“, weil mir die üblichen feinen roten Linien zu wenig Ermahnung sind. Die Markierung lasse ich während des Schreibens aus – weil es ablenkt – und visualisiere mir zum Korrekturlesen auf diesem Weg sehr aggressiv, wo ich mal genauer hinschauen oder im Kontextmenü Vorschläge anschauen sollte.

Mit dem Compare-Plugin gibt es ein gut konfigurierbares Werkzeug zum Dateivergleich, mit dem sogar ein Abgleich von Daten aus GitHUB möglich sein soll. Das klingt vielversprechend, ausprobieren muss ich das noch.

Aktuell ist Notepad++ mein Liebling (s.o.). Ein sachlicher oder oder objektiv nachvollziehbarer Grund dafür fehlt. Er liegt gerade gut in der Hand, ohne dass ich mich aufwändig eingearbeitet habe. Das spricht beim täglichen Arbeiten für ein Werkzeug, wenn es keinen Eigenaufwand verursacht, oder übliche Aufwände mindert. Genau das hat Notepad++ bei der Bearbeitung eines größeren Yellow-Projekts für mich erreicht. So hat er – mal wieder – PSPAD auf den zweiten Platz verwiesen. Deshalb erschien es mir erwähnenswert, dass ich den auch kenne und schätze.