The Bat! vs. emClient

Ich verwende das E-Mail Programm „The Bat!“ seit dem letzten Jahrtausend ab Version 1.2. Anfangs, weil er alle anderen Mailprogramme auf dem Markt ausstach, bis jetzt, weil er im Grunde immer gleich geblieben ist und kann, was ich brauche. Zumindest, was E-Mails betrifft.

Doch diese Vertrautheit hat einen Preis. Ich meine damit die Oberfläche und Funktionalität. Zwischenzeitlich habe ich immer mal über den Zaun geschaut, überzeugen konnte mich bisher kein anderer E-Mail-Client. Dazu gehörte auch der „emClient“. Doch im Rahmen meines Provider-Wechsels für NoSi.de zog der Baikal-Server ebenfalls um. Hier kam der emClient spontan für die Wartung der cardDAV-Daten als Hilfswerkzeug wieder auf den Rechner. Und weil er installiert war… .

Ich vergleiche „The Bat!“ (Version 7.4.16) mit dem „emClient pro“ (Version 7.1.3x), die freie Version ist auf zwei Konten beschränkt und darf nur im privaten Umfeld genutzt werden.

Womit wird geworben

Aus den jeweiligen Produkt-Seiten:

The Bat! emClient
Nutzerfreundlich und sicher Gut ausgestattetes Mail-Programm
Unterstützung für PGP, GnuPGP, und S/MIME Integration von PGP und S/Mime
Interner HTML-Viewer, Eigenes Adressbuch Kalender, Aufgaben, Kontakte, Chat
Leistungsfähgies Filtersystem Fortgeschrittene Regelverwaltung
Praktische Vorlagen Vorlagen, Signaturen

Ab jetzt wird es problematisch, weil The Bat! ein ziemlich lupenreines Mail-Programm ist, während der EmClient von der Anmutung wie ein Outlook-Clone daher kommt.

Die Stärken von The Bat!

Desktop von The Bat!

Regeln
Im direkten Vergleich kann die „fortschritliche Regelverwaltung“ des emClient nur in Ansätzen mit den Fähigkeiten der Fledermaus mithalten. Hier lassen sich hochkomplexe Regeln erstellen, wogegen der emClient eine Grundfunktionalität liefert, mit denen eine Nachbildung von Regeln aus Bat! schlicht unmöglich ist.
Vorlagen
Bat beherrscht diverse Platzhalter in Vorlagen, womit sich stark individualisierte Texte mit einem Klick erzeugen lassen. Je nach Position im System können Vorlagen erstellt werden, bis hin zu individuell personalisierten Vorlagen für einen Kontakt. Der emClient kann Vorlagen einfügen und Signaturen „auswechseln“, die in einem Dropdown angeboten werden. Wem die Fähigkeiten von Bat unbekannt sind, wird das beeindrucken, wer Bat kennt, wird milde lächeln.
Virtuelle Ordner
Damit werden Mails regelbasiert in Ordnern angezeigt, ohne sie dorthin zu verschieben. Diese Ordner kennt der emClient ebenfalls, da die Suchfunktion, auf der dort die virtuellen Ordner aufsetzen keine Kombinationssuche ermöglicht, stößt er recht früh an Grenzen.
Werkzeuge und Anpassbarkeit
Es gibt eine gut gefüllte Schatulle an Funktionen und Optionen, die Bat stark individualisierbar machen. So lässt sich an jede E-Mail ein Memo hängen, die Reihenfolge der Ordner in den Postfächer umsortieren, für jedes Postfach individuelle Einstellungen festlegen, und vieles mehr .

Die Freiheiten und Stärken von The Bat! sind gleichzeitig ein potenzielles Problem. Es ist entsprechende Produktkenntnis erforderlich, damit sie richtig genutzt werden. Falsch eingesetzt können sie zu erheblichen Nutzungseinschränkungen, Behinderungen, bis hin zu Fehlfunktionen führen.

Die Stärken des emClient

emClient Mailansicht mit Kontakthistorie (rechts)

Komplett-Lösung
Die Aufgaben und der Kalender der Fledermaus sind bestenfalls rudimentär und sehen noch aus wie vor rund 15 Jahren. Das ist weit weg vom Stand der Technik. Hier kann der emClient mit hoher Integration und Interaktion aller relevanten Dienste punkten, inklusive stabil funktionierender calDAV und cardDAV Integration (s.o.).
Virtuelle Ordner
Die Möglichkeiten gegenüber der Fledermaus sind zwar eingeschränkt. Dafür steht bereits nach dem Start ein sinnvoller Strauß virtueller Ordner in der Liste, für die keinerlei Konfiguration erforderlich ist.
Moderne, intuitive Oberfläche
In der Anpassbarkeit deutlich eingeschränkter als Bat ist das im Gebrauch unerheblich; es lässt sich alles gut wie es ist nutzen. Da Kalender, Aufgaben und Kontakte sehr gut integriert sind, passt der emClient als Kommunikationsmanager sich modernen Anforderungen sehr gut an und bietet den integrativen Komfort, den heute jedes Smartphone mitbringt.
Pfiffige Details
Beim Benutzen werden einige interessante Sachen angeboten, die bei Bat zwar grundsätzlich ebenfalls möglich sind, dort jedoch entweder versteckter, unhandlicher oder erst nach aufwändiger Konfiguration nutzbar werden. So sind automatisch alle Betreffzeilen gruppiert, per Klick lassen sich alle gleichartigen Mails auflisten. Oder alle Nachrichten eines Teilnehmers der Kommunikation und eine chronologische Übersicht aller Anlagen – beides mit Miniaturvorschau.

Von Bat kommend fallen einige Schwächen ausgerechnet in den Disziplinen auf, mit denen der emClient wirbt („fortgeschrittene Regelverwaltung“ ). Als integrale Gesamtlösung macht er jedoch eine erhebliche bessere und zeitgemäßere Figur als The Bat.

Vom grünen Tisch auf die Wiese…

Für eine Vergleichbarkeit der nachfolgenden Aussagen habe ich meine Konten aus Bat in den emClient exportiert, d.h. beide haben die gleiche Datenmenge in technisch identischen Konten bearbeitet. Insgesamt ca. 43k Mails.

Die im richtigen Leben spannenden Fragen werden bei der Werbung für ein Produkt gern ausgeblendet:

Datensicherung der Mails

Beide Produkte bieten ein Datenbank-Backup an, mit dem sich eine Installation wieder herstellen lassen soll. Der Pfad dafür ist frei einstellbar. Bei Bat läuft das Backup in ein proprietäres Format im Vordergrund und blockiert das Programm. Beim emClient läuft es im Hintergrund während das Programm benutzbar bleibt und erzeugt eine ZIP-Datei. Das ZIP ist ca. 28% größer als die TBK-Datei.

Darüber hinaus kann bei beiden Programmen das Arbeitsverzeichnis festgelegt werdn. Das vereinfacht das globale Sichern der persönlichen Daten. Dieses Verzeichnis kann auf einen anderen Rechner kopiert werden und wird von beiden Programmen nach anpassen des Datenpfades auf diese Kopie problemlos mit Übernahme aller Einstellungen akzeptiert.

Lizenpolitik

  • emClient bietet optional neben Versionsupdates eine „Lebenslange Lizenz“, wobei etwas unklar ist, wessen Lebensdauer damit gemeint ist: des Nutzers, des Programms oder des Rechners auf dem installiert wurde. Eine Nachfrage im Forum und Nachlesen im Lizenzvertrag ergab, dass die Lizenz benutzergebunden aber portierbar sein soll (ungetestet).
  • emClient kostet „pro Installation“, wobei man Lizenzen deaktiveren und übertragen kann. Wie oft/reibungslos das geht, kann ich akutell nicht sagen.
  • TheBat ist etwas elastischer und erlaubt die Nutzung „nicht konkurrierend“ auf mehreren Rechnern, d.h. man kann mehrfach installieren, aber immer nur auf einem Rechner damit arbeiten.

Funktionalität

  • Beide Programme haben gute Suchfunktionen, die von emClient ist immanenter vorhanden, weil z.B. bei der Anzeige einer Mail direkt Listen für die Adressaten und dem Betreff der Nachricht angeboten werden. Das macht die klassische „Thread“-Ansicht überflüssig und ist handlicher, weil bereits beim hovern mit der Maus sowohl von Nachrichten als auch Anhängen Miniaturen gezeigt und zur Bearbeitung angeboten werden.
  • Die Suchgeschwindigkeit geht bei beiden brutal in die Knie, wenn IMAP-Konten verwendet werden. Beim emClient ist das doppelt fatal, weil der „einfache Ordner“ unveränderlich alle Konten enthält. Damit werden die virtuellen Basisordner generell signifikant – und störend – langsamer.
  • Die Suche und Anzeige geht in POP3-Konten bei beiden sehr flott, gefühlt ist die Suche bei emClient schneller. Was jedoch eine optische Täuschung sein kann, weil im Interface direkter etwas passiert.
  • Beide haben eine „Schnellsuche“, die des emClient kann mit Steuerbefehlen gefüttert werden, z.B. mit from:nosi, damit nur das Absenderfeld durchsucht wird.
  • Der emClient punktet deutlich bei der Ausstattung. Kalender, Aufgaben, Kontakte und Chat sind auf der Höhe der Zeit und bieten eine sehr gute Integration. Eine Mail lässt sich zu einem Termin oder einer Aufgabe machen, der dann auch – entsprechende Kopplung vorausgesetzt – auf dem Mobiltelefon auftaucht. Allerdings lassen sich diese Bereiche nicht mit Tastenkürzeln steuern.
  • Beide Programme erlauben – theoretisch – beliebig viele Konten. Bei The Bat! sind das ausschließlich E-Mail-Konten. Beim emClient werden darüber hinaus Chat-, Kalender- und Kontakt-Konten unterstützt, bzw. die Funktionalität entsprechender Konten. Wird z.B. ein „outlook.com“-Konto verbunden, wird neben der Mailadresse gleich der dazugehörige Kalender, das Adressbuch und die Aufgaben eingebunden.
  • Beide können PGP. Bat benötigt externe Programme für die Schlüsselerzeugung und Verwaltung, emClient macht das intern, was die Handhabung deutlich vereinfacht.

An dieser Stelle breche ich die Erbsenzählerei ab. Denn im Grunde ist das ein Vergleich von Äpfeln mit Birnen:

  • The Bat! ist ein hochspezialisiertes Programm für die Arbeit mit E-Mails. Er bietet dafür extrem aus­ge­feil­ten Ver- und Be­ar­bei­tungs­funk­tionen. Darüber hinaus gehende Funktionalitäten sind – soweit überhaupt vorhanden – leider stief­mütter­lich implementiert und gepflegt. Das Interface repräsentiert den Stand um die Jahrtausend-Wende.
  • Der emClient ist in Funktionalität und Präsentation auf der Höhe der Zeit. Er kan recht ordentlich mit Mail umgehen, gegenüber The Bat! hat er in diesem Bereich an einigen Stellen reichlich Luft nach oben, an anderen bietet er attraktiven Mehrwert.

In letzter Konsequenz ist es eine Bedarfsentscheidung, welches der beiden Programme die tägliche Arbeit unterstützen soll. Sobald es über E-Mails hinaus geht, hängt der emClient die Fledermaus deutlich ab.

Nur auf die Arbeit mit E-Mail beschränkt ist es – jenseits optischer Präferenzen – eine Frage, was an Funktionalität gewünscht ist. In den Details ist The Bat! erheblich stärker – ob die ausgefeilten Möglichkeiten wirklich nötig sind, oder man sich da womöglich in Optionalitis verliert, lässt sich schwer sagen. Individuelle Vorlagen für Gruppen oder sogar einzelne Kontakte, direkt passend mit dem Namen ausgefüllt, oder mit regulären Ausdrücken erstellbare Suchen und virtuelle Ordner sind zweifellos eine schicke Sache. Allerdings muss man das alles erst einmal einrichten und auf Stand halten.

Meine Wahl

Wenngleich ich einige „special effects“ von The Bat! im emClient vermisse, geht es dennoch recht gut „ohne“. Es ist eine andere Herangehensweise an einige Dinge erforderlich; dafür werde ich mir die angebotenen Demo-Phase Zeit nehmen. Spontan klappen mit dem emClient einige Sachen reibungsloser, über die ich in The Bat! trotz vieljähriger Nutzung regelmäßig wieder nachdenken muss. Daher geht meine aktuelle Tendenz Richtung emClient. Die Finale Entscheidung fälle ich, wenn die Demophase abläuft. Sie wird hier nachgereicht.