KIX 18-2020

Ende letzten Jahres habe ich mich gefragt, was aus »KIX18« geworden ist. Also habe ich einfach mal in Chemnitz bei c.a.p.e. IT („cape“) nachgefragt und bekam post­wendend einen beding­ungs­losen Zugang zur aktuellen »beta«-Version.

Ich möchte ausdrücklich betonen, dass mir der Zugang vor meinem Beitrag zum OTRS 8 Info Preview geschaltet wurde. Es wurde keine Auflagen gemacht, vielmehr darauf hingewiesen, dass ich auf das Team zurückgreifen kann (was nötig und nützlich war, s.u.).

Für Eilige: Mein Fazit

Auf den zweiten Blick

Mein Test im dem Produkt-namensgebenden Jahr war für mich sehr ernüchternd ausgefallen. Das Gezeigte hatte wenig mit dem KIX zu tun, für das ich mich selbst stark engagiert hatte. Deshalb war ich angespannt, als ich ein zweites Mal vor der Pforte stand. Mein erste Besuch hat mich verunsichert: Die sehr aufgeräumte Oberfläche blieb sehr aufgeräumt, egal wohin ich klickte. Das konnte unmöglich der aktuelle Status sein.

Meine Nachfrage wurde postwendend beantwortet, dass es nun „so wie es soll“ funktioniere. Was es tat und die Anspannung etwas abfallen ließ. Ich flanierte ein wenig herum und legte zwei „Ausprobier-Tickets“ an, inklusive der dafür erforderlichen Daten für Kunde und Kontakt. Wobei diese außer einen kurzen Text im „Betreff“ im jeweils einzigen Detailartikel keinerlei Daten beinhalten. Die CMDB blieb leer.

Hier stellte sich Erleichterung ein. Denn im Gegensatz zum letzten Test ist diese Beta grundsätzlich benutzbar.

Mit diesen sehr übersichtlichen Daten spielte ich ein wenig herum und wunderte mich über die „Masse­trägheit“ des objektiv leeren Systems. Auf Nachfrage wurde das mit der hohen Kon­figu­rier­bar­keit der Formulare erklärt, die beim ersten Seiten­aufruf dynamisch erstellt würden. Weitere Aufrufe seien schneller. Bedingt stimmt das. Aber ich fange besser von vorn an.

Konkret ausprobiert

Nach meiner „Rumspielerei“ erstellte ich einen kleinen Fragen­katalog, für cape, der zeitnah beantwortet wurde. Doch dann fehlte mir die Zeit. Eine Nachricht des Vertriebs mit Hinweis auf den nahenden Test­ablauf in 14 Tagen gab dem Projekt eine höhere Priorität: Gebrauchs­test auf Grund­lage des Gesehenen und meines Fragen­katalogs.

Eine zentrale Frage war für mich, was ich da überhaupt teste. Konkrete Information blieb zwar geschuldet, doch wurde mir versichert, es handele sich um den Aus­lie­fer­ungs­zu­stand einer miet­baren »KIXCloud«. Auch das auf der cape-Web­seite ange­botene „Pro­dukt­daten­blatt KIX­Cloud gibt keinerlei Hinweise, welche Ausstattung ab 19 € Netto pro Agent vermietet wird. Für ein den »technischen Service« adressierendes Produkt kommt die KIXCloud bemer­kens­wert untechnisch daher.

Aus kaufmännischer Sicht ist das durchaus clever: Es fehlt jegliche Eig­nungs­zu­sich­er­ung.

Die angebotenen 50 oder mehr Zugriffslizenzen für 19€/Netto monatlich sind keine Gewähr, ob und wie diese Nutzer mit dem System zeitgleich arbeiten können. Ich halte 50 Agenten in einer Instanz für sportlich. Zumindest wenn die verwendete »KIXCloud« die gefühlten technischen Spe­zi­fi­ka­tio­nen der mir bereit­gestellten Test­um­ge­bung hat. Als alleiniger Nutzer dieser Instanz sehe ich die Nutz­bar­keits­grenze weit unter 50 Anwendern.

Systemstart

Der Aufbau des »Home«-Formulars nach der Anmeldung dauert 8-10 Sekunden für das objektiv leere System. Das habe ich mehr­fach wiederholt und die Lade­zeiten gemessen (Stoppuhr). Das entschleunigt. Fehlt nur noch Meeres­rauschen oder das transzendente Summen von Did­geri­doos

Ein signifikant schneller verfüg­barer Start­schirm wäre besser. Der ist nun weniger überladen als in der »alpha«-Version. Wobei er sich wieder zu füllen scheint, denn zwischen meinen „Besuchen“ wuchs die Zahl der Grafiken auf dem Start­schirm mit entsprechender Aus­wirkung auf die erforderliche Bild­schirm­breite (s.u.).

Im Gegensatz zur »alpha« ist die »eta« ratzekahl: Kein einziges Ticket, kein einziges Asset, kein Kunde, überschaubare acht FaQ-Artikel, die sich bei genauerem Hinsehen als vier entpuppen (4x Deutsch, 4x Englisch), sowie eine rudi­men­täre Kon­fi­gu­ration:

  • fünf Prioritäten
  • sieben Status
  • Zwei Teams und ein „Sub“-Team
  • Drei (Beispiel-)Textbausteine
  • Drei Ticket-Typen
  • zwei FaQ-Kategorien
  • Eine System-Emailadresse („kix@localhost“)

In der Hilfe gibt es neben einer weitest­gehend überflüssigen „Slide-Show“ den Verweis auf Hand­bücher, die auf der Webseite zum Download angeboten werden. Darauf komme ich noch zurück.

Eine aufkeimende Hoffnung, dass diese Version mo­bil­taug­lich(er) sein könnte, hat sich bei einem spon­ta­nen Versuch bereits am Start­schirm als un­wahr­schein­lich, beim Be­grü­ßungs­schirm als falsch zerschlagen.

Die hier unter­suchte »KIX­CLOUD« wird als »intuitive Lö­sung für den tech­nischen Ser­vice« bewor­ben. Dort sind zu­min­dest im IT-Außen­dienst ty­pisch­er­weise Lap­tops das Werk­zeug für Ticket-Zugriffe. Aller­dings ist sogar die neben gebräuchlichen kleineren Auf­lö­sun­gen ver­brei­te­te WSXGA+ (1680x1050) zu schmal für eine „roll­balken­freie Ver­ti­ka­le“ im Home-Schirm. Mit weniger als HD-Auflösung (1920x1080) bedeutet KIX18-2020 viel rollen müssen. Für diverse Dienst­leister im „tech­nisch­en Ser­vice“ könnte das ein schwer nach­voll­zieh­bares und völlig un­nö­ti­ges k.o.-Kriterium sein.

Wie viel „Luft nach oben“ bei der Ober­flächen­ge­stal­tung noch vor­handen ist, lässt sich exem­plarisch mit einem „halben HD-Schirm“ darstellen:

Dort herrscht unnötiges Gedränge im Dialog »Neues Objekt«. Weil dieser Dialog sowieso alle anderen Funktionen un­er­reich­bar macht (s.u.), ist mir un­verständ­lich, weshalb drum herum so viel Platz verschenkt wird, der für die Dar­stellung des Inhalts fehlt. Im Dialog selbst werden die Elemente groß­zügig ein­gerückt, was ihn spätes­tens beim Auf­klappen der Side­bar (=Funktions­leiste rechts im Dialog für Kunden- / Kontakt­info) praktisch un­benutz­bar macht. Zwar kann im Blind­flug unter dem halb­transpa­renten Panel getippt werden. Wird es später weg­geklappt, ist allerdings der Eingabe­fokus weg, weil offen­bar kein Puffer für den letzten Ein­gabe­fokus den Rücksprung in das Formular organisiert. Wobei selbst der nur bedingt weiter­helfen würde (s.u.).

Bei der Benutzer­führung zeigt sich »KIX18« weiter­hin un­ent­schlos­sen. Während das so bezeichnete »Modul­menü« (=Funktions­leiste links) in blau gehalten aktive Bereiche mit einem etwas dunkleren Knopf markiert (~10% mehr Grauwert), sind im Dialog »Neues Objekt« aktive Elemente „graduell blau“, deaktivierte weiß, die zuschalt­baren Felder der Side­bar aktiviert jedoch grau. Dazu kommen »Abbrechen« und »Speichern« in einem rot und grün, die beide wie aus dem Farb­konzept ausgeklammert wirken. Sie schreien ein wenig, was den dazu­gehörigen Funktionen immer­hin zuge­standen werden kann. Davon abgesehen ist die Oberfläche grundsätzlich „Farbenblind-tauglich“.

Was mir spontan auf­stieß: »Abbrechen« (wahl­weise Kreuz oben rechts im Dialog »Neues Objekt« oder Schalter unten links, meistens außer­halb des Fensters) fehlt die Zu­ordnung der Taste ESC. Es ist zwangs­weise der Griff zur Maus erfor­der­lich. Wobei das generell nötig ist, denn mit Enter und Tab lässt sich nur eingeschränkt durch die Eingabe­felder navigieren. Nach dem Anklicken von »Neu« in der gemäß Kurz­einfüh­rung namenlosen Titel­leiste (im FaQ: »Kopf­menü«) öffnet sich der Eingabe­bereich »Neues Objekt«, aller­dings hat keines der Felder erkennbar den Ein­gabe­fokus. Hin­reichend häufiges Drücken von Tab klappt irgend­wann das Drop­down des Feldes »Kunde« auf, ohne dass vor- oder nach­her irgendwo der Eingabe­fokus zu erkennen gewesen wäre.

Das »neue Objekt« hält zwar visuell das »Modulmenü« erreichbar. Allerdings sperrt das Formular alle darunter liegenden Funktionen. In „Krisensituation“ ist es deshalb unmöglich, ein gerade erfasstes Ticket für abschließende Nach­arbei­ten offen zu lassen und schon ein weiteres für die nächste Erfassung zu öffnen.

Ein hineinklicken mit der Maus in das Feld »Kontakt« ermöglicht immer­hin eine Feld­navi­gation mit der Tab-Taste. Die herunter­klappen­de Listen lässt erahnen, wo die Eingabe vermutlich be­findet. Allerdings bleiben die Schalter des Bereichs »Kanal« via Tastatur un­er­reich­bar. Weil fast kein Feld mittels Tastatur verlässlich an­ge­steuert werden kann, spielt das keine Rolle mehr. Für ein neu entworfenes „Service-Interface“ ist das jedoch un­ver­zeih­lich. ISO 9241-171 ist dies­bezüg­lich sehr klar: »Nutzung aller Funktionen über die Tastatur ermöglichen«. Speziell die in Behörden zunehmend geforderte bzw. erforder­liche Barriere­freiheit wäre für dieses »KIX18« eine un­über­wind­liche Barriere.

Eine weitere Inkonsistenz zeigt sich nach dem Verlassen eines leeren »Betreff«-Feldes. Es ist – wie viele andere im Dialog ebenfalls – als Pflichtfeld markiert. Allerdings werden nur leere »Betreff«- und »Ticket­beschreibung«-Felder beim Verlassen mahnend rot eingerahmt. Die Übrigen erst nach dem Anklicken (weil „antabben“ unklar…) von »Speichern«. Eine Warnung weist auf die Liste der „Validie­rungs­fehler“ hin und blockiert den Dialog. Doch statt nach dem Schließen dieses Hinweises den Eingabe­fokus in das erste fehler­hafte Feld zu setzen, …

Die Ergonomie der Fehler­meldung ist grottig, konzep­tionell fügt sie sich damit konsequent in das Grundkonzept ein.

Die fehlende ESC-Unter­stützung macht sich auch schmerzlich auf der »Modul­menü«-Leiste bemerkbar. Etwas unvorsichtig geklickt, pöppt die »Suche« auf, die nur mit Maus­wander­ung nach rechts oben auf den »X«-Knopf (sehr weit weg) oder »Abbrechen«-Button im Formular (meistens näher) geschlossen werden kann.

Für ein „Service-Werkzeug“ erweist sich die Ober­fläche der »KIX18 beta« als erschreckend un­ergo­no­misch. Für Touch-Screens sind die ange­bo­tenen Icons mit wenigen Aus­nahmen zu klein, die Bedien­elemente zu dicht gedrängt. Es fehlt durch­weg ein erkenn­barer Eingabe­fokus sowie zumindest rudi­men­täre Tastatur-Bedie­nung. Die Nutzung bleibt damit auf den „klassi­schen“ PC mit Maus und Tastatur beschränkt. Wobei »KIX18« selbst dort umständlich zu bedienen ist.

Gehversuche

Eine Testumgebung ist zum Testen. Also habe ich sie wie vor­ge­fun­den aus­probiert. Aufgrund der sparsamen Vor­kon­figu­ra­tion war das zwar sehr übersichtlich in den Möglich­keiten, brachte jedoch in mehr­facher Hinsicht Erkenntnis­gewinn. Bereits mit gerade einmal zwei Tickets (.s.o.), die aus einem Kunden, einen Kontakt, einem Betreff und einem Einzeiler bestehen, nahm die Reaktions­geschwin­dig­keit des Systems deutlich wahr­nehmbar ab. Der ins Feld geführte »dyna­mische Formu­lar­aufbau« kann dafür keine Erklärung liefern, denn das gilt grund­sätzlich und dauer­haft für alle Formulare – egal ob beim ersten oder jedem weiteren Öffnen. Das erste Öffnen einer Ticket-Detail­ansicht dauert ca. 4-5 Sekunden(!). Ein erneuter Aufruf ist zwar schneller, doch ist unklar, weshalb es bei jedem weiteren Ticket im ersten Anlauf erneut so lange dauert. Die Konfi­guration, die dem »dyna­mischen Formu­lar­aufbau« zugrunde liegt, war un­ver­ändert, das verwendete Formular demzufolge ebenfalls.

Weil gerade im »technischen Service« bestenfalls vereinzelt über den Tag nur mit wenigen Tickets gearbeitet wird, summieren sich hier Warte­zeiten. Ob und in welchem Umfang die zunehmen, wenn richtig was im System drin ist, lässt sich auf Grund­lage dieses Minimal­versuchs unmöglich sagen. Wenn ich die wahr­genom­mene Verlang­sa­mung „keine Tickets“ → „zwei Tickets“ zugrunde lege, erschreckt mich der Gedanke, dass die Zunahme linear sein könnte. Das würde Nutzer bereits bei einer schnell erreich­baren Anzahl Tickets in einem permanenten Warte­zu­stand versetzen.

Meine Aussagen zur Arbeits­geschwin­dig­keit sind hoch­spekulativ. Weil mir selbst die Zeit fehlt, meine Test­um­ge­bung „voll­zu­pumpen“ bin ich auf Rück­mel­dungen ange­wiesen. Erforderlich wäre ein „solide bestücktes Demo­system“, mit dem sich dies­bezüglich belastbare Aussagen machen lassen.

Die Suche

Unter dem Namen »Komplexsuche« öffnet sich ein mit fünf Reitern ausgestatteter Dialog, der – dem Namen folgend – „komplexes Suchen“ verspricht. Bei genauerer Betrachtung relativiert sich das jedoch sehr schnell. Es werden leider nur unter­durch­schnitt­liche Such­optionen angeboten. Eine gute Such­funk­tio­nali­tät ist allerdings ein wesent­licher Schlüssel für effi­zienten und erfolg­reichen Service. Woran das aktuell scheitert:

  • Die Reiter des Dialogs sind vonein­ander unab­hängig. Eine (in meiner Wahr­nehmung) suggerierte „kombinierte Suche“ nach z.B. benannten Assets eines bestimmten Kunden scheitert – es wird lediglich der Teil der Suche absolviert, in dessen Reiter die Suche gestartet wird. Die übrigen Reiter sind im Anschluss geleert (= nochmal eintippen…).

  • Im »Volltext« kann lediglich die Filter­variante »enthält« gewählt werden. Weder AND noch OR wird unter­stützt. Mehrere möglichen »Attribute« einer Suche (die verundet werden) sind keine Abhilfe, denn jedes Attribut kann nur ein einziges Mal ausge­wählt werden.

  • Eine „in etwa“-Suche (z.B. "h~se" für „Hase“, „Hose“, „Hirse“, „Hanse“,…) fehlt

  • Das in den FaQ genannte Zeichen * für „Wild­card-Suche“ wird ignoriert, genauer: es garantiert keine Treffer. Wird statt dessen % verwendet, kann nach »w%« gesucht werden, das dann „Wurst“ und „Wahnsinn“ findet. Wird jedoch nach »w%n« gesucht, wird statt des erwarteten „Wahnsinn“ überraschend „Wurst“ gefunden, wofür diese Such­bedin­gung un­gültig ist. Wird nach »wa%« gesucht, gibt es, dem „Wahnsinn“ zum Trotz, keinen Treffer.

    Hier reifte der Eindruck, dass „Wildcards“ im Wortsinn gemeint sein könnte und diese „wilde Ergeb­nisse“ liefern. Womit sie jedoch für den Normal­bedarf ziemlich unnütz wären. Ich halte das für einen (behebbaren) Fehler.

Diese schlichten Versuche wurden mit den mehrfach erwähnten zwei Datensätzen (Tickets, Kunden, Kontakte) durchgeführt, in denen gleichlautende Worte an unterschiedlichen Stellen in den Kunden- und Kontaktdaten verwendet wurden. Trotz der sehr übersichtlichen Datenmenge war eine belastbare Vorhersage unmöglich, wann, unter welchen Bedingungen und mit welchem Parameter etwas mit „Wildcard“ gefunden wird.

Testende

Bereits in der »Alpha« fand ich das extrem störend: Es gibt zwar diverse Schalter­lein auf denen herum­geklickt werden kann. Doch der gewählte Status ist flüchtig. Es ist grober Unfug, mir eine Option zum Weg­klappen einer Grafik an­zu­bieten, wenn sie beim nächsten Aufruf der Seite wieder auf­ge­klappt ist. Ebenso sinnlos ist es, wenn die zu­ge­klappte Grafik weiterhin den Platz wie auf­ge­klappt belegt, weil der Kopf­balken die (un­beein­fluss­bare) Breite vorgibt.

Die Änderung der Spalten­breite in der Artikel­übersicht eines Tickets wird dagegen sofort und dauer­haft für alle Tickets übernommen. Hatte ich mir im selben Formular die verknüpften Objekte auf­ge­klappt, werden die beim nächsten Besuch dieses Ticktes (und selbst­redend aller anderen) wieder zugeklappt.

Darüber thront ein groß­zügiges Feld „Ticket-Infor­mation“, das sich mit Informationen zum Ticket zugeknöpft gibt. Diese informelle Leere wird betont, indem dieser Bereich grund­sätzlich aufgeklappt ist, egal wie oft ich ihn zuklappe.

Eine Rück­­meldung lautete, dass für die aus meiner Sicht zwingende Not­wen­dig­keit sich wenigstens für die aktuelle Sitzung Einstellungen zu merken (z.B. zuge­klappte Diagramme), noch keine Unter­stützung vorgesehen sei, ebenso fehle die Möglich­keit individueller Einstellungen pro Nutzer. Meine Motivation zum Ausprobieren hat das erheblich ausgebremst, weil das im Jahre des Herrn 2020 eine schwer nachvollziehbare Zumutung in einem neu gestalteten Service-Werkzeug ist. Für meinen Geschmack ist es alleine deshalb schon für den praktischen Einsatz unbrauchbar.

Zwar wurde in der Testbestätigung aufgefordert, ein „Agentenkonto“ anzulegen. Dennoch finde ich es befremdlich, dass der »admin« trotz »full permissions on everything« keine Tickets ändern kann. Das war der Punkt, an dem sich für mich weitere Tests vorerst erübrigt haben.

Die Handbücher

Daran wirkt aktiv gearbeitet. Seit meinem ersten Besuch, bei dem ich lediglich ein passendes Handbuch fand („Anwendung“, datiert auf den 6.1.2020), ist zwischenzeitlich ein weiteres für die Administration dazu gekommen.

Handbuch KIX Cloud Anwendung

Stand: 2.2.2020, also „aktuell“.

Die 79 Seiten sind über weite Strecken mit Informationen der Art „das ist ein Knopf, den kann man drücken, den gibt es im Programm“ gefüllt. Die „Funktionserklärungen“ beschreiben weitestgehend das, was Ausprobierende selbst sehen, ohne dass es sich mit dieser Information erschlösse, was damit angefangen werden kann.

Ärgerlich sind Hinweise der Art »Weitere Informationen hierzu finden Sie im Kapitel "Funktionserläuterungen".« Das ist ein Verweis auf das Hauptkapitel, statt auf das passende Unterkapitel oder besser noch gleich Seite und Absatz. Ist das dann doch gefunden, bietet es inhaltlich ebenfalls keinerlei Anwendungshilfe.

Konkretes Beispiel: »Ihr digitaler Notizzettel«

Von 14 Kapiteln (lt. Inhaltsverzeichnis) haben 5 (!) ein Kapitel »Digitaler Notizzettel«. Wobei diese wortgleich und letztendlich nur Verweise auf die in einem anderen Kapitel „versteckte“ Erklärung sind. Denn es wird auf das übergeordnete Kapitel statt auf den passenden Abschnitt darin verwiesen. Das wiederum beschreibt, was für leidlich Computeraffine offensichtlich ist. Wie sich der Notizzettel praktisch innerhalb der Anwendung nutzen lässt, bleibt unerklärt.

Dazu würde beispielsweise der Hinweis gehören, …

  • … dass es „weit mehr als einen“ gibt (Ich hatte mir doch was notiert – wo ist es hin?).
  • … dass sie überall gleich aussehen (Warum heißen sie alle „Notizen“ statt »Bereich«-Notiz?).
  • … ob sie „nur für mich“ oder „für alle“ sind – was wichtig ist, damit keinesfalls etwas zwischengelagert wird, auf das Unbefugte keinen Zugriff haben dürfen.
  • … dass keiner davon per Klick den Inhalt zur Weiterverarbeitung in die Zwischenablage holen kann.

Das „Anwenderhandbuch“ ist eine was ist drin-Liste, die in Worte fasst, was ich auf dem als Screenshot beigefügten Bild sehe. Als „Anleitung“ ist es unbrauchbar. Da bietet das „Admin­istra­toren­hand­buch“ zumindest anfänglich erheblich bessere Information für „Anwender“.

Adminstratorhandbuch KIX Cloud

Stand: 03.02.2020, ebenfalls „aktuell“

Im Kapitel 1.2 wird als Mindestauflösung 1280x720 Pixel gefordert. Die passt einerseits zu keiner gebräuchlichen (Hardware-)Bildschirmgröße, andererseits verlangt zumindest meine Testumgebung deutlich mehr Breite, wenn ich „horizontales Scrollen“ als kaum hinnehmbar in einer Service-Anwendung einstufe.

Bei meinem ersten „Besuch“ der Testumgebung konnte ich das Arbeitsfenster noch kleiner machen – allerdings waren aufgrund von Statistiken auf der Start­seite auch da schon ca. 1400 Pixel als „scroll­balken­freie Breite“ erfor­der­lich. In nach­geord­neten Ansichten ist zwar durchaus „weniger“ genug, doch ist das konzep­tionell inkonsistent.

Bei dem „Handbuch“ handelt sich zwar um ein PDF, doch von der darin möglichen Verlinkung, die eine Suchen nach einem Verweis signifikant vereinfachen würde, wurde innerhalb des Textes kein Gebrauch gemacht. Was aufgrund der zumindest anfänglich sehr häufigen Querverweise im Text den Gebrauchswert schmälert. Es finden sich reichlich bebildert Hinweise, die in vergleichbarer Form dem Anwender-Handbuch gut täten. Was bei Administratoren womöglich Irritationen auslöst, ob sie das richtige Dokument haben.

Tipp: Vorrollen bis Seite 22. Da wird es „Admin-affin“. Ich bin aus Zeitmangel „an der Oberfläche“ geblieben, doch das, was ich überflogen habe, fand ich sehr erfreulich. Ich halte es für möglich, dass mit diesem Dokument auch ein „begrenzt Technik-affiner“ Nutzer die KIXCloud nach Wunsch einrichten kann. Wobei unerfahrene „Selbst­hoster“ damit keine Chance haben werden, denn das „Drum­herum-Wissen“ fehlt aus nach­voll­zieh­baren Gründen in diesem Dokument.

Fazit

Einen vollständigen „Produkt­test“ bin ich objektiv schuldig geblieben. Ich habe mich primär mit (im wahrsten Sinne) „Ober­fläch­lichem“ beschäftigt. Aus Nutzer­sicht ist das maß­geblich. Dabei interessiert (mich) vor allem, welche Alternative zu OTRS dieses „OTRS-Derivat“ ist. In der Ver­gangen­heit bot KIX in verschie­dener Hinsicht sehr konkreten Mehr­wert gegenüber dem Platz­hirsch. Der fehlt dieser »beta« in jeder Hinsicht.

Von der »alpha« kommend bin ich erleichtert: Sie können es noch. Von »KIX17« kommend frage ich mich aller­dings, was mich zum Wechsel auf ein »KIX18« bewegen könnte. Denn ein zentraler Kritik­punkt des „Alpha-Tests“ bleibt: »KIX18«(2020) bietet signifikant weniger Funk­tio­nali­tät als der namentliche Vorgänger.

Die vermeintlich modernere Oberfläche von »KIX18« wird zu einem hohen Preis erkauft. Sie steht in Geschwin­dig­keit und Komfort weit hinter der älteren Version zurück. Deren („alte“) Ober­fläche kann pro­blem­los mit „aktuel­leren“ Mit­bewerbern wie z.B. dem (soweit mir bekannt auf OTRS 6 basierenden) OTOBO mithalten – ich halte die »KIX17«-Oberfläche trotz ihres Alters dagegen für die bessere. Doch das führt vom Thema weg:

Quo Vadis »KIX18«?

Den stärksten Konkurrenten hat »KIX18« weiterhin im eigenen Haus. Das ist »KIX17«. Dem humpelt »KIX18« mit deutlichem Abstand hinterher, der Weg auf ein vergleich­bares Leistungs­niveau erscheint mir auf Grund­lage des Gese­hen­en noch lang und steinig. Was beim von cape betriebenen Geschäfts­modell einige Unwäg­barkeiten und Gefahren herauf­beschwört. Sowohl technologisch als auch wirtschaftlich.

Letztendlich ist vom ursprünglichen Antritt „Visionen werden Wirklichkeit“ nirgends etwas zu spüren. »KIX18« ist auf dem Niveau der »beta« lediglich ein bemühtes »KIX17«-Derivat in Kinderschuhen. Der »beta« fehlt eine erkennbare innovative Kraft, die ein Grund zur Vorfreude (und Geduld) wäre. Sie hat unbestreitbar gegenüber der »alpha« zugelegt. Ein Screenshot-Vergleich aus dem damaligen mit diesem Artikel offenbart jedoch: Aus Anwendersicht ist wenig passiert. In der »alpah« Angedeutetes ist in der »beta« einigermaßen benutzbar geworden. Von „alltagstauglich“ ist sie noch weit entfernt – für eine »beta« eigentlich zu weit.

Wenn ich diese Ent­wicklungs­geschwin­dig­keit über­schlägig hoch­rechne, steigen in mir Zweifel auf, ob das perspek­tivisch ein Erfolg werden kann. Bei Markt­begleitern scheinen sich die Räder schneller zu drehen, es gibt grund­legend neue Produkte mit innovativen Ansätzen und Bedien­konzepten, die in den Markt drängen. »KIX18« könnte auf diesem Zeithorizont in einigen Jahren zwar ein fan­tas­tisch­es Produkt, jedoch konzep­tio­nell und in der Präsen­tation um eben diese Jahre zu spät sein.

Damit »KIX18« kein Reagenzglas-Produkt bleibt, muss cape damit auf Augen­höhe zu »KIX17« kommen und auf dem Weg dort­hin in jeder Hin­sicht dem Thema „Ge­schwin­dig­keit“ große Auf­merk­sam­keit schenken: Sowohl bei der Ent­wick­lungs- als auch der Pro­dukt­ge­schwin­dig­keit.

Solange »KIX18« in jeder Hinsicht einen derart großen Abstand zu »KIX17« hat, ist es besten­falls ein Nischen­produkt für eine sehr, sehr, sehrsehr kleine Nische. Oder Ahnungs­lose. Beides schlechte Voraus­set­zun­gen für ein Geschäfts­modell, da Beides in kürzester Zeit schwinden kann.