Lattenrost für 20 €

Eine Woche didacta mit Unterbringung in einer ziemlich fiesen Herberge hatte massive Auswirkungen auf meinen Rücken. Daraus ergab sich eine Neubetrachtung der Schlafsituation zu Hause. Sie rückte den Lattenrost in den Fokus. Eine Bauanleitung der Stiftung Warentest war der Auslöser für eine Eigenentwicklung.

Der fertige Lattenrost für ~20 € Die zitierte Bauanleitung empfand ich für das gewünschte Ziel „stabile, luftige Unterlage“ etwas aufwändig. Das verwendete, für meinen Geschmack unnötig edle Material lassen sich Baumärkte fürstlich bezahlen. Das angestrebte Ergebnis lässt sich darüber hinaus mit deutlich geringerem Aufwand sowohl handwerklich als auch beim Material realisieren. Ausgehend von der gefundenen Anleitung machte ich ein paar ...

Modifikationen

  • Statt der gefasten, gehobelten und deshalb vielfach teureren Brettchen erfüllt 19mm starker Rauspund den gleichen Zweck bei vergleichbaren Eigenschaften. Den gibt es in unterschiedlichen Längen und Breiten. Meine Wahl fiel auf „2.000 x 115 x 19 mm, Fichte/Tanne, Natur“. Im Baumarkt vor meiner Haustür kostete ein (ausreichender) Fünfer-Pack unter 12 €.
  • Statt gehobeltem Rahmenholz sind drei Mal „200 x 5,8 x 5,8 cm, Fichte/Tanne, Sägerau“ für knapp 8€ ausreichend. Da dieses Element nur nach dem Herausnehmen der Matratze sichtbar wird, gibt es keine Notwendigkeit für eine veredelte Variante, die mehr als das Vierfache im lokalen Baumarkt gekostet hätte.
  • Statt Dübeln sind Schrauben völlig ausreichend. Sie erfüllen den gleichen Zweck, die handwerkliche Anforderung ist allerdings erheblich geringer. Bei mir lagen noch „Rückwandschrauben“ mit einem ca. 10mm großen Rundkopf von einer anderen Bastelaktion herum. Grundsätzlich ist jede leidlich stabile Schraube geeignet.
  • Für die Verbindung der Rahmenteile kamen (ebenfalls herumliegende) Holzschrauben von HEKO (s. Hochbeet 2.0) zum Einsatz. Da auf den Querträgern keine Auflasten, sondern bestenfalls Querlasten wirken, ist auch hier „was halt da ist“ ein guter Berater. Die Schrauben müssen lediglich die Querbalken zwischen den Längsbalken fixieren.

Zusammenbau

Zuerst wurden die Bretter auf das (im Bettkasten ermittelte) Maß abzüglich etwas „Luft“ gebracht. Weil ich für den Testaufbau keine Lust auf den „elektrischen Werkzeug-Zoo“ hatte, habe ich für die übersichtliche Zahl Schnitte auf eine Japansäge zurückgegriffen, die es immer mal wieder bei Lidl, Aldi, Netto, etc. als Aktionsware gibt. Gesägt wurde „freihändig“, bei dieser Variante sind „5mm mehr oder weniger“ und „mehr oder weniger rechtwinklig“ ziemlich unkritisch.

Tendenziell ist bei der Länge „etwas weniger“ vorteilhaft, weil dann das Brett keinen Kontakt zur Seitenwand des Bettes hat. Das kann beim Bewegen im Bett Knarr-Geräusche erzeugen – wie ich mittlerweile weiß…

Reichlich Platz für die Schraube In einem Reststück habe ich anschließend ca. 2,5 cm vom Rand einen Nagel mittig durchgeschlagen. Das war die Schablone, mit der die Bohrlöcher in den Brettern links und Rechts markiert wurden. Dafür war ein 16mm Flachfräsbohrer zur Hand, mit dem sich von allein ein großzügiges „Spiel“ für die Köpfe der verwendeten Schrauben ergab.

Bei den Rahmen den Anfang markieren und passend ablängenDie gleiche Schablone wird für die Markierung der Schrauben verwendet. Für den Abstand der Bretter muss ein bisschen gerechnet werden: aufgrund baulicher Bedingungen meines Bettkastens (abgerundete Ecken) habe ich die Längsbalken auf 195 cm gekürzt. 10 Bretter á 11,5 cm ergeben 80 cm Rest, der auf 11 Felder (davor, dahinter, dazwischen) verteilt werden muss. Dafür erhielt jeder Längsbalken eine Richtungsmarkierung „Anfang“ und bei 4cm eine Startlinie. Von dort alle 19,5cm weitere neun Etappenlinien. Ein passend zugeschnittener Brettrest als Schablone vereinfacht das.

Die Schraube hält das Brett und schont die Matraze An den Marken wird die „Nagelschablone“ angelegt und die Schrauben entsprechend „versenkt“. Also so weit eingedreht, dass sie später keinen Überstand hat, mit dem die Matratze beschädigt werden könnte. In meinem Fall mit dem Flachkopf bis auf die Feder eines Reststücks des Rauspunds – das war perfekt.

Zuletzt habe ich noch zwei Querstreben vom dritten Rahmenholz abgelängt, die den Abstand der Längsbalken im Bettkasten festlegen: eines der Bretter als Maximallänge markieren, die beiden Reststücke der Längsrahmen von der Marke abziehen – absägen. Genau genug.

Abgesenkte Querbalken im Rahmen, fixiert gegen „rausfallen“ Die Montage erfolgte „im Bett“. Mit zwei in den Schrauben „eingehängten“ Brettern die Längsrahmen im Bettkasten ausrichten und die Querrahmen etwas abgesenkt unter den äußeren Brettern festschrauben. Die Absenkung erschien mir zweckmäßig, damit das darüber liegende Brett nur an den Außenseiten aufliegt. Unter dem Brett erschien mir sinnvoll, weil damit auch im Außenbereich Luft zirkulieren kann. Bei einem Rahmen von knapp 6 cm und einem Randabstand von 4 cm wäre das sonst stark eingeschränkt.

Die Bretter sind einzeln entnehmbar Aufgrund der großzügigen Bohrlöcher lassen sich die Bretter sehr fehlertolerant auflegen. Die Schrauben sollen lediglich verhindern, dass die Bretter sich beim drehen und wenden im Bett zusammenschieben, wobei die Bretter auf dem sägerauen Balken von sich aus schon ziemlich „rutschsicher“ aufliegen. Die Bauweise ermöglicht einen bequemen „partiellen“ Durchgriff in den Bettkasten, ohne dass der gesamte Rahmen herausgehoben werden muss. Der aufgrund des Materials ein solides Gesamtgewicht hat.

Keine Schraube schaut raus – alles gut.Diese veränderte Konstruktion lässt etwas mehr Luft an die Matratze als die Variante der Stiftung Warentest. Die Matratze wird davon dennoch ausreichend abgestützt – zumindest lassen sich nach drei Wochen Nutzung keine „Durchhänger“ ausmachen. Dieser ungefederte Lattenrost wertet die vor einigen Jahren mal recht gut bewertete Schlaraffia-Matratze deutlich auf. Subjektiv kann ich die Einschätzung der Stiftung Warentest bestätigen: der vom Verkäufer aufgeschwatzte Lattenrost war der Qualität der Auflage abträglich. Ich fühle mich jetzt auf der rustikalen Variante jedenfalls morgens viel ausgeruhter als vorher auf dem damit ausrangierten Edelrost.