Tabellenrechnen in Textprogrammen

Ohne „DDE“ bzw. „OLE“ bieten Textprogramme „Tabellenrechnen“ an. Mit unterschiedlichen Strategien und Komfort.

Wer früher in einem Text rechnen wollte, konnte das wahlweise im Kopf und hat das in den Text geschrieben, oder „eingebunden“: Eine rechnende Tabelle aus einem anderen Programm. Mittlerweile haben Textverarbeitungen das integriert, wobei es dafür unterschiedliche Ansätze gibt.

Allen gemein ist der Grundgedanke „Tabellenkalkulation“, bei der eine Tabelle in Reihen (= Nummern) und Spalten (= Buchstaben) angesprochen werden kann. Allerdings fehlt den „Zellen“ die proaktive Rechenfähigkeit. Diese muss als Rechenfeld eingefügt werden.

LibreOffice Writer

Bei LibreOffice sieht der einzugebende Inhalt und die Steuerung für die Rechenfelder für eine einfache Rechnung so aus:

Artikel Menge Einzeln Summe
Losfee Glückszahlen-Generator 1 25 [F2]=<B2>*<C2>Enter
Reisekostenabrechner 1 15 [F2]=<B3>*<C3>Enter
Zwischensumme netto [F2]=sum (<D2:D3>)Enter
Mehrwertsteuer F2=19/100Enter [F2]=<D4>*<C5>Enter
Rechnungsbetrag brutto [F2]=<D4>+<D5>Enter

Das wird über → Tabelle → Zahlenformat → Währung „aufgehübst“, damit Beträge noch ein „€“-Symbol haben und mit zwei Nachkommastellen versehen sind. Linien, etc. – je nach Geschmack. Es geht um das was einzugeben ist.

Bei meinem Versuch erschien mir die Ansprechbarkeit der Felder und die Handhabung etwas fragil und fummelig. Wer mehr Zeilen benötigt, muss eine entsprechend Formel neu einfügen und den Bezug für die Zwischensumme korrigieren. Kopieren und Einfügen von Inhalten wie in der Tabellenkalkulation, bei dem die Formelbezüge angepasst werden, scheitert.

Irgendwie müssten auch „Zellennamen“ nutzbar sein, mit denen gerechnet werden kann. Allerdings ist mir das bei allen Versuchen nie stabil gelungen, weshalb ich im Beispiel letztendlich darauf verzichtet habe. Die Mehrwertsteuer muss so komisch eingegeben werden, weil sonst ein **Fehler im Ausdruck** angezeigt wird, sobald die Zelle als Prozentwert formatiert werden soll. Änderungen von Werten aktualisieren die Tabelle ohne weiteres Zutun.

SoftMaker TextMaker

Bei TextMaker sieht die Eingabe anders aus:

Artikel Menge Einzeln Summe
Losfee Glückzahlen-Generator 1 25 € [F2]= PROD(LEFT)Enter
Reisekostenabrechner 1 15 € [F2]= PROD(LEFT)Enter
Zwischensumme netto F2 NETTO=SUM(ABOVE)Enter
Mehrwertsteuer F2MWST=19Enter % F2STEUER=NETTO*(MWST/100)Enter
Rechungsbetrag brutto F2=NETTO+STEUEREnter

In der Box, die mit F2 geöffnet wird, kann gleich „Nachkommastellen 2 fest“ eingestellt werden. Der Charme dieses Ansatzes: Die Zeilenformel ist „relativ“ und kann deshalb ohne nachdenken kopiert werden. Die Zwischensumme „passt trotzdem“, denn oberhalb als Bezug bleibt weiterhin gültig. Änderungen werden direkt ausgerechnet, ein manuelles Aktualisieren der Tabelle oder einzelner Feldwerte ist überflüssig.

Microsoft Word

MS-Word kann das wie TextMaker – vermutlich hat der sich das von MS-Word abgeschaut. Allerdings erscheint mir die Bedienung in TextMaker erheblich intuitiver als in MS-Word. Dort muss die Formatierung mit in die Formel eingefügt werden – zumindest habe ich keinen anderen Weg gefunden:

Artikel Menge Einzeln Summe
Losfee Glückzahlen-Generator 1 25 € STRG [F9]= PROD(LEFT)\# "0,00"Enter
Reisekostenabrechner 1 15 € STRG [F9]= PROD(LEFT) \# "0,00"Enter
Zwischensumme netto STRG [F9] NETTO=SUM(ABOVE)\# "0,00"Enter
Mehrwertsteuer STRG [F9]= 19 # "#.##0,xxxxxxxxxxxxxxxxxxxx"Enter % STRG [F9] STEUER=NETTO*(MWST/100)\# "0,00"Enter
Rechungsbetrag brutto STRG [F9] =NETTO+STEUER \# "0,00"Enter

Die verwendeten Feldreferenzen „MWST“, „STEUER“, „NETTO“ müssen in Word durch Auswahl des Feldes und → Einfügen → Textmarke erzeugt werden, damit die hier gezeigte Tabelle „rechnet“. Das tut sie außerdem nur dann, wenn alle Felder markiert und Felder aktualisieren (Rechtsklick auf eins davon) aufgerufen wird. Also im Gegensatz zu TextMaker eine ziemliche Frickelei. Ehrlicherweise habe ich das anhängende Word-Beispiel durch den Export mit TextMaker erzeugt… .

Was die Handhabung betrifft, gefällt mir die Lösung mit bzw. in TextMaker am besten.

Für alle drei Programme gibt es die hier beschriebene „Mini-Rechnung“ als Musterdokument in einem

7z-Paket zum Download (~41kB).