Markdown Edit - genau hingeschaut

Den bereits kurz angesprochenen „Markdown Edit“ habe ich mir mittlerweile etwas ausführlicher angesehen.

Nachdem ich ein wenig herumprobiert habe, bestätigt sich das spontane Gefühl: das ist mein neuer Markdown Editor. Er ist mittlerweile das Werkzeug auf meinem Desktop. Ich erfasse damit nahezu alle Texte, die ich dann formatiert oder als Text übernehme.

Screenshot Markdown Edit

Es beginnt damit, dass ich problemlos eine deutsche Rechtschreibprüfung aktivieren kann. Daran scheitern bereits viele Mitbewerber. Wo es geht, ist es eher unbefriedigend gelöst. Im Markdown Edit fühlt es sich an, wie ich es von Textverarbeitungen gewohnt bin. Rote Kringel-Linie drunter, Rechtsklick für die Korrekturvorschläge oder Übernahme ins Wörterbuch. Das Ganze ohne merkliche Verzögerung. Was erwähnenswert ist, denn eine Korrektur, die mich wie bei manchen anderen Editoren signifikant ausbremst, macht ihn unbrauchbar.

Die mitgelieferten Stil-Vorlagen für den Editor und den Vorschau-Bereich sind angenehm. Weil sie zugänglich sind, lassen sie sich den eigenen Wünschen oder Anforderungen anpassen. Ich habe beispielsweise die CSS-Vorlagen meines Blogs in das HTML-Template kopiert, damit ich eine direkte Kontrolle habe, wie es draußen aussehen wird.

Mit F1 kommt — man glaubt es kaum! — eine Hilfe für die wesentlichen Shortcuts. Die liegen gut in der Hand, weil sie sich weitestgehend an die üblichen Gepflogenheiten von Windows-Programmen halten.

Die sehr offen gehaltene Konfiguration ermöglicht auf Wunsch den Wechsel des Markdown-Interpreters. Was speziell für mich sogar notwendig wurde. Denn Markdown Edit unterstützt „ab Werk“ die Interpretation von Common Mark, das aktuell noch keine Fußnoten unterstützt. Hier hilft Multimarkdown weiter. Ein ziemlich universeller Übersetzter, der sich einfach in die Einstellungsdatei eintragen lässt:

"CustomMarkdownConverter": "multimarkdown.exe",

Zu Common Mark sei noch erwähnt, dass dieser Dialekt der Maßstab für die Übersetzung ins Vorschaufenster ist. Für Code-Blöcke werden deshalb statt drei Tilde-Zeichen (~) drei Akzent-Zeichen hintereinander gesetzt. Das kann bei der Übernahme aus dem Editor in Webseiten mit Markdown-Interpetation zu fehlerhafter Darstellung führen.

Da Markdown Edit jedoch mittels STRG H Suchen & Ersetzen anbietet, ist das keine echte Hürde. In der Suche und für das Ersetzen werden sogar reguläre Ausdrücke unterstützt. Das habe ich in anderen Markdown-Editoren bisher noch nicht gesehen.

Für das Abschätzen des Textes lassen sich Zeilennummern einblenden, in der schmalen Menüleiste lässt sich ein Zähler von Wort-, Buchstaben- und Seitenzähler umschalten.

Bilder können per Drag & Drop eingefügt werden. Wahlweise wird der Pfad, das Hochladen auf Imgur oder das Einfügen als Daten-Block angeboten. diese Variante hat den Charme, dass in der Markdown-Datei die codierten Bilder enthalten sind.

Ein besonderer Clou sind die „Snippets“. Das sind Textblöcke, die mit Platzhaltern versehen werden können. Damit lassen sich komplexe Eingaben deutlich vereinfachen. Beispielsweise erzeugt (bei mir) die Eingabe von „yh“, gefolgt von der Tab-Taste den passenden Header für meinen mit Yellow.

Den Header kann ich dann mit Der Tab-Taste an den erforderlichen Stellen fix ausfüllen, mit Enter geht es weiter, weil der Cursor hinter den Block springt. Weil ich das so definiert habe. Wem das zu komplex ist, der kann sich einfach das aktuelle Datum oder profane Übersetzungen (z.B. cp → ©) in die „Snippets“-Datei schreiben.

Das spektakulare an Markdown Edit ist das Unspektakuläre. Während andere Editoren beispielsweise mit zuschaltbaren Hintergrundgeräuschen (WriteMonkey) manchmal ziemlich bizarre Funktionen anbieten, reduziert sich Markdown Edit auf das, was es sein soll. Einfach ein guter Editor für das Erfassen und Transformieren von Markdown.

Für die Transformation gibt es den direkten Export als HTML. Die Vorschau wird für die PDF-Ausgabe (mittels wkhtmltopdf) verwendet, was „wie formatiere ich die PDF-Ausgabe“ ziemlich entspannt erledigen lässt. Wenn man sich mit CSS-Stilvorlagen ein bisschen auskennt. Als Goodie lässt sich der Text zusätzlich als Word-Dokument ablegen. Ebenfalls — soweit möglich — mit der Formatierung, die für die Live-Vorschau verwendet wird.

Ein sehr großen Vertrauensvorschuss an die Nutzer lässt Mike Ward (der Autor) beim Schalter „Ja, ich habe gespendet!“ erkennen. Damit lässt sich die „Spende bitte“-Einblendung deaktivieren. Wer wirklich spendet — so wie ich es getan habe — landet auf einer Seite, die verrät, dass gerade einmal 0,1% der herunter geladenen Programm-Versionen zu einer Spende führen. Ein Armutszeugnis. Ich habe mir angesehen, was andere Editoren (MarkdownPad, WriteMonkey,…) aufrufen und das in eine Relation des Wertes von „Markdown Edit“ für mich gesetzt. Weil mehr wert, mehr Geld1

Da Markdown Edit kostenlose Open Source Sofware ist, lohnt sich ausprobieren. Er kann wahlweise als ZIP (Portabel) oder als Setup herunter geladen werden. Allerdings werden ältere Windows-Varianten (z.B. XP) nicht unterstützt. Für Windows 7 muss ein Font aktualisiert werden. Atkuelle .NET-Bibliotheken schaden ebenfalls nicht. Und wenn er gefällt, spenden ebenfalls nicht ;)


  1. Bevor Fragen kommen: 35 USD. ↩︎