Alte Rechner weiter nutzen

Jeder hat irgendwo noch eine „alte Windows-Märe“ rumstehen, die mechanisch den neueren Modellen überlegen, mit allem jenseits Windows XP überfordert, aber zum Wegwerfen zu schade ist. Mit LXLE konnte ich mein geschätztes Toshiba Satellite (Jahrgang 2000…) mit einem aktuellen Betriebssystem neues Leben einhauchen.

Da das Satellite mit P4, 1,8MHz, 1GB Ram und 60GB Festplatte aus heutiger Sicht mager bestückt ist, war die erste Idee Lumbuntu. Das soll schlank und schnell sein, hat halt diesen ganzen Transparenz-Schnick-Schnack nicht. Was ich persönlich begrüße. Im Gegensatz zu Ubuntu ist es nicht kreischbunt und die Fensterelemente liegen dort, wo ich sie als Windows-Anwender erwarte. Es gibt sogar soetwas wie einen „Start“-Button, der natürlich nicht so heißt, aber von der Funktion offenbar genau das liefert. Der Testlauf (ja: Man kann erst mal Testen, bevor installiert wird) von der CD war ernüchternd. Psychodelisches Flackern des Monitors signalisierte: Das wird nix.

Immerhin vorher gewusst, dass es hinterher nicht klappen könnte. Nächster Anlauf: Ubuntu 12.04 LTS. Das wird bis 2017 unterstützt, mal sehen, ob mein Satellite dann noch lebt. Die Installation von CD hat sich gezogen wie Kaugummi, aber – hossa! – neu starten, läuft. Für den eher pixelarmen Monitor (1024x768) sind die Standards (HD-Auflösung 1920x1080) nicht ganz optimal, der Desktop fühlt sich etwas zäh an, aber es läuft benutzbar.

Da Linuxianer ja grundsätzlich freiheitsliebend sind, war die Suche für eine Nachrüstung des LXDE-Desktop auf Ubuntu schnell erfolgreich: im Ubuntu-Anwendungsmanager nach „LXDE“ suchen. Das wurde installiert, aber es wollte mir nicht gelingen, dass es sich auch zeigt. Bei den Ubuntu-Users bin ich dann auf einen Tipp gestoßen, dass man ein Lubuntu über ein laufendes System Installieren kann. Das klang vielversprechend, also habe ich das gemacht. Interessanterweise rief der Link der Webseite dafür dann den Anwendungsmanager auf und es dauerte wieder einige Zeit, bis das Paket installiert war.

Nach dem Neustart erst einmal Frust: noch immer kreischiger Ubuntu-Look. Da kam ich dann auf die Idee, vor dem Login mal das kleine Rädchen oben rechts im Login-Dialog anzuklicken. Hallo! Da waren dann diverse Varianten im Sortiment, so auch Lumbuntu und das vorher installierte LXDE-Desktop. Den gibt es in zwei Varianten, eine Version für Netbooks präsentiert gleich ein Sortiment Icons auf dem Schirm. In beiden führte jedoch der Aufruf meiner Homepage nosi.de in Chrome zum Absturz des Betriebssystems. Nicht so toll. Ein bisschen herumprobieren zeigte dann allerdings, dass das ein Problem vom Chromium ist, denn den zerlegt es auch unter Ubuntu 12.04 LTS auf dem Satellite. Ein Neustart mit Lubuntu und der Seitenaufruf mit Firefox zeigte: Geht doch!

Während bei Ubuntu der Lüfter mit kurzen Pausen mehr oder minder Dauerbetrieb hat, ist bei Lubuntu deutlich mehr Ruhe. Das Rangieren auf der Oberfläche flutscht nicht ganz so, wie auf einer aktuellen Maschine, aber es fühlt sich gut an. Vergleichbar zum Windows XP, das vorher drauf lief, für das es aber keine Updates mehr gibt. Und optisch sind die beiden recht nah beieinander. Allerdings schlummert im Hintergrund noch immer das „dicke“ Ubuntu. Deshalb — wenn man schon mal am Herumprobieren ist, kommt es darauf auch nicht mehr an — habe ich das während meiner Informationssuche entdeckte LXLE angetestet. Das soll ein Lubuntu mit Treibern auch für ältere Rechner sein, bei denen das „normale“ LXDE (s.o.) nicht mitspielt. Auch hier bietet das ISO-Paket einen Live-Test an. Allerdings ist mindestens ein DVD-Laufwerk erforderlich, denn mit 1,5GB geht es nicht mehr auf eine CD. Bei „ganz alten Kisten“ womöglich das k.o.-Kriterium.

Beim Booten der Live-Version kamen einige Meldungen, die nichts Gutes erwarten ließen, umso erfreulicher war dann, dass sich ein sauber durchinstalliertes System mit attraktiver Optik präsentierte. Zwar in Englisch, aber beim Sprachencheck wird Deutsch angeboten (was bei der Installation dann direkt ausgewählt werden kann), also: Alles auf Start und LXLE installiert. Dauerte natürlich wieder, entspricht der Ubuntu-Installation, ohne die Werbeboxen.

Das attraktive an dieser Lösung ist die Verbindung der LTS-Version von Ubuntu, dem windowsähnlichen Desktop und dem „schlanken Fuß“, der damit auch auf einem alten Rechner möglich ist.

Nachtrag

Da mich eine Mail mit heftigem Protest erreicht hat: Korrekterweise muss ich einräumen, dass man für Windows XP noch bis 8. April 2014 Sicherheitsupdates bekommt, wenn ein Servicepack 3 installiert ist. Wie dem Artikel «Risiko Windows XP» entnommen werden kann, macht es XP weder wasserdicht, noch zu einem zeitgemäßen Betriebssystem. Ein aktuelles Ubuntu oder andere aktuelle Linux-Derivate stellen sich da deutlich besser. Ab heute (4.06.2013) sind es noch 308 Tage, bis definitiv Schluss ist mit XP. Ich habe dazu einen recht einfachen Standpunkt: Wenn mein Schiff untergeht, halte ich mich nicht am Mast fest, sondern steige in den Kahn, der längsseits liegt.

Ich wurde ebenfalls darauf hingewiesen, dass ein fehlendes DVD-Rom kaum ein k.o. Kriterium sei, wenn man nur einen USB-Anschluss habe. Von dem könne man ein ISO booten. Auf meinem Erfahrungshintergrund sind die Geräte, die sich von USB booten lassen, auf einem Level, dass man da meist bereits ein Vista oder Windows 7 drauf hat — einfach weil es beim Kauf drauf war. Diese Rechner haben mit aktuellen Windows-Systemen selten bis nie Probleme, womit sich die Frage einer Reaktivierung gar nicht stellt. Für diese Geräte war der Artikel auch nicht gedacht. Ist dagegen ein CD-Rom im Rechner, ist das Betriebssystem meist nicht in der Lage, von USB zu booten, das lässt sich zumindest selten auf diesen alten Geräten im BIOS einstellen. Das kann man zwar mit einem gewissen Aufwand unter gewissen Bedingungen aushebeln (oder auch nicht…), das erfordert dann aber schon deutlich mehr als nur das ISO, dass sich typischerweise ebenfalls nicht 1:1 auf einen USB-Stick packen und booten lässt. Was jedoch — das ist korrekt — nicht per se heißt, dass ein fehlendes DVD-Rom das Ende sein muss. Allerdings ging es hier nicht um eine Machbarkeitsstudie, sondern um die möglichst einfache Reaktivierung von alter, womöglich attraktiver Hardware. Ich räume ein, dass ich dafür keinen Tag eingeplant hatte. Das Beschriebene war nebenbei in ca. 2h erledigt. Viel mehr Zeit hätte ich auch nicht investiert.

Aber, wenn wir schon genau sein wollen: Ich habe nie behauptet, dass ein fehlendes DVD-Laufwerk ein k.o. Kriterium ist, sondern lediglich „womöglich sein könnte“.