Der neue Writemonkey

Writemonkey 3 ist mittlerweile in einer ziemlich stabilen Version Beta 3.x verfügbar. Wenngleich die Tastensteuerung (für mich noch) gewöhnungsbedürftig ist, bietet er einige interessante Details.

Rechtschreibkontrolle

Der Arbeitschirm von Writemonkey 3 mit Vorschau

Vorweg erwähnenswert ist die einfache Option für deutschsprachige Rechtschreibkontrolle, die während der Eingabe ähnlich wie in Word & Co. funktioniert. Allerdings ist sie in der Grundausstattung schlecht vokabularisiert, da muss viel übernommen werden. Weil es sich um Hunspell handelt, lässt sich ersatzweise ein vorhandenes Wörterbuch von z.B. OpenOffice oder Firefox nutzen. Ebenfalls verfügbar ist ein Plugin um einen deutschen Thesaurus (Synonyme) einzubinden. Der funktioniert dann per STRG+Rechtsklick auf ein Wort. Allerdings nur mit Internet-Verbindung, weil er direkt bei openthesaurus.de vorbei schaut.

Dokumentation und Dokumentverwaltung

Bei GitHub findet sich eine umfangreiche, englischsprachige Dokumentation. Auch das ist zwischen viele weiteren Markdown-Editoren eher eine Ausnahme.

Ungewöhnlich ist die Verwaltung der Dokumente. Dafür arbeitet Writemonkey mit einer Datenbank. Dort werden die Dateien mit automatischer Sicherung abgelegt. Das wird mit einer Projektverwaltung noch weiter getrieben. Darin können dann (vermutlich) umfangreiche Dokumentationen als Markdown-Dateien organisiert werden. Die Datenbank liegt (unter Windows) üblicherweise im Benutzerverzeichnis, lässt sich jedoch in einem anderen Pfad verschieben. Außerdem können ab Beta 3.06 parallel Textdateien erzeugt werden, die mit der Datenbank verknüpft sind und synchron gehalten werden.

Schreiben

Für mich ist der angebotene Fullscreen-Mode leider absolut sinnlos, da ich einen Bildschirm mit 108cm Diagonale habe. Da verliert sich der Text dann doch ein wenig drauf und aufgrund der Zeilenlängen ist das beim Lesen und Schreiben ein bisschen wie Tennis spielen. Der Kopf geht kräftig hin und her. Die Zeilenlänge kann jedoch ebenso wie die Fontgröße verändert werden. Das macht es etwas erträglicher, hat jedoch keinen Einfluss auf die Hardware-Vorgaben. Aber für die Elemente der Oberfläche kann ein individueller, der Schirmgröße angemessener Zoom eingestellt werden, was bei vielen anderen Produkten (generell) nicht geht.

Bei der Markdown-Unterstützung wird der GitHub Flavor unterstützt, der über den Basis-Set etwas hinaus geht. Allerdings vermisse ich noch immer einige Zusätze, die ich in Markdown schätze, z.B. Begriffslisten und Fußnoten. Wobei sich das natürlich im Text erfassen lässt, lediglich in der Vorschau sieht es etwas traurig aus.

Außerdem lassen sich (im Editor) Absätze auskommentieren und Meta-Daten einfügen. Diverse einstellbare Indikatoren können Tagesziele vorgeben oder einfach nur Statistik auswerfen. Dazu noch Sounds und andere Sachen, die das ablenkungsfreie Schreiben unterstützen sollen.

Aus anderen Editoren bekannt ist das Code-Folding, dass hier auf alle Überschriften angewandt werden kann. Hat der Text nur eine, ist die Funktion allerdings eher unzweckmäßig.

Suchen mit Regex

Eine erwähnenswerte Funktion ist Suchen und Ersetzen mit regulären Ausdrücken („Regex“). So kann beispielsweise mit der Regel

/([A-Z,ÄÖÜ]{1}[a-zäöüß]+)/g

nach allen Substantiven gesucht werden. Wer mit derartigen Regeln adhoc nichts anfangen kann, sich das jedoch erschließen will, kann bei regexr.com üben. Tutorien für Regex gibt es diverse – hier ist das, was zum eigenen Lernstil passt, das Beste. Grundsätzlich lohnt sich die Auseinandersetzung damit, denn er kann nervige Aufgaben bei der Textbearbeitung signifikant vereinfachen. Falsch angewandt, lässt sich damit ein Text jedoch ebensogut mit einer Aktion ruinieren. Hier sind Backups zweckmäßig. Ob und wie weit das Undo von Writemonke 3 ggf. den Text wieder herstellen kann, ist unklar.

Die Suche wird immer mit STRG+F aufgerufen, dass es sich um eine Regex-Suche handelt, erkennt Writemonkey 3 am Schrägstrich am Anfang/Ende. Treffer werden im Text markiert und rechts finden sich Markierungen für die Fundstellenverteilung im Text. Das ist ziemlich praktisch. Speziell in Kombination mit dem „Selct Match“-Befehl (STRG+1). Damit wird das Wort unter dem Cursor (oder der markierte Block) im ganzen Text dauerhaft markiert. Diese Markierungen bleiben so lange stehen, bis ein erneuter Befehlsaufruf sie löscht. Sie überleben auch zwischenzeitlich stattfindende Suchläufe, die ebenfalls Text markieren. Natürlich wird Suchen und Ersetzen ebenfalls unterstützt.

Zum Schluss

Mit den Konfigurationsdateien im JSON-Format lassen sich noch diverse Individualisierungen erledigen. Mit Textschnipseln können Dokumente schneller erstellt werden, eine Ablage für ausgeschnittenen Text und vieles mehr machen Writemonkey 3 bereits jetzt (in der Betaversion) sehr leistungsfähig. Meine anfängliche Skepsis weicht zunehmend.

Einen Wermutstropfen gibt es natürlich ebenfalls. Es sieht (aktuell) nicht danach aus, als ob Writemonkey 3 internationalisierbar wäre, das Programm ist durch und durch Englisch. Wer's kann, wird keine Probleme haben, für alle, die sich damit etwas schwerer tun, ist es bedauerlich, weil das natürlich Hürden aufbaut. Im Moment können die Shortcuts nur genommen werden, wie sie sind. Allerdings geben einige Bemerkungen des Autors vorsichtiger Hoffnung Auftrieb, dass sich das womöglich zukünftig ändern könnte.

Ich bin jetzt jedenfalls gespannt, wann das final release von Writemonkey 3 heraus kommt. Grundsätzlich werde ich meine Texte jetzt wohl (überwiegend) mit Writemonkey erstellen. Denn so wie er jetzt ist, kann ich damit schon recht ordentlich arbeiten.