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Ein neuer Laptop: Terra 1500P

hardware,mobilität,werkzeuge,windows

Erstellt: 20.03.2025 Lesedauer ~8:10 Min.

Nach vielen Jahren mit Lenovo Laptops ist meine Begeisterung der Ernüchterung gewichen: Die neueren Modelle lassen die Qualität der Vorgänger zwar noch erahnen. Doch der damit verknüpfte Mehrpreis erschließt sich mir immer weniger.

Warum Terra?

Neugeräte von Lenovo standen nie zur Debatte. Deren Preis-Leistungs-Verhältnis war mir schon immer zu schlecht. Meine Laptops stammten immer aus dem Gebrauchtmarkt, in dem die hochpreisigen Modelle häufig nahezu unbenutzt direkt von einem Vorstandsschreibtisch weit unter Listenpreis verfügbar waren und sind. Ein fast neuwertiges Gerät, gereinigt und generalüberholt (aktuelles Betriebssystem-Image, gereinigt, etc.), häufig für knapp  ⅓ des Preises. Das sind diese Geräte definitiv wert und schneller lässt sich Geld kaum verdienen: Als Gebrauchs- und Verschleißgegenstand entspricht ein regelmäßig notwendiger Austausch zu günstigeren Konditionen signifikant weniger Arbeitszeit, damit das erfolgen kann.

Aktuell ist ein gut erhaltener
»Lenovo Thinkpad X1 Yoga«
mit neuem Akku „übrig“, der zum Herumliegen zu schade ist.

Dazu kommt eine praktische Überlegung für einen Laptop, der als Schlepptop – dem mobilen Einsatz – verwendet wird. Glücklicherweise blieb mir das bisher erspart, doch sollte er abstürzen, wird es ab ca. 60 Zentimetern freiem Fall keinen nennenswerten Unterschied machen, ob es ein Low Budget Gerät oder ein Edel-Lenovo war: Das Ergebnis ist davon unabhängig eine Geschichte für die Schadenfreude anderer.

Der Laptop-Bildschirm ist auch bei direkter Sonneneinstrahlung lesbar. 🔍
Während die Handy-Kamera mit den Kontrasten an ihre Grenzen stößt, damit die Bildschirmdarstellung sichtbar bleibt, ist das Laptop-Display trotz direkter Sonneneinstrahlung gut lesbar.
Die „Fettfinger“ wurden erst durch die erforderliche Bildeinstellung für das Photo im direkten Sonnenlicht sichtbar. Rechts sind sicher ebenfalls welche, doch im Schatten bleiben sie dank mattem Display „unsichtbar“.
Der Terra 1500P im Sonnenschein

Im direkten Preisvergleich zwischen gebrauchtem Edel-Lenovo und neuem brauchbarem Laptop hat mich mein Bruder auf den »Terra 1500P« hingewiesen. Ein Arbeitsgerät ohne Schnickschnack. Also kein glänzender, im Sonnenlicht unbrauchbarer und bei Gebrauch völlig verschmierter Touchscreen. Keine Stifteingabe, die bei einer vor dem Schirm verfügbaren Tastatur witzig, aber weitestgehend sinnlos ist. Kein 270° drehbarer Bildschirm, der aus einem Laptop ein schweres, unhandliches Tablet macht.1 Stattdessen ein etwas größerer, matter Bildschirm. Beim Schreiben dieses Artikels schien die Sonne direkt darauf, der Text blieb trotzdem hervorragend lesbar (s. Bild). Ein Nummernblock für zügige Zahleneingabe. Lt. Beschreibung, mit solidem Gehäuse, in dem ein AMD-Prozessor arbeitet, der die Anforderungen für Windows 11 Pro großzügig erfüllt, statt lediglich dafür „geeignet“ zu sein.

Ich verwende schon seit dem letzten Jahrtausend Terra Desktop PCs. Bei vergleichbaren Kosten war es deshalb an der Zeit, es mal mit einem Laptop von Terra zu versuchen.

Spoiler!

Das war eine gute Idee.

Was direkt nach dem Auspacken und anfassen auffällt: Das Gehäuse fühlt sich wertig und erfreulich stabil an. Die Tastatur hat einen spürbaren Tastenhub mit Widerstand und definiertem Anschlag. Das hat mir, als 10-Finger-Schreiber, bei den letzten Lenovos am meisten gefehlt: Eine taktile Tastatur.

Erstmals hat einer meiner Laptops einen Nummernblock. Der verschiebt das Buchstabenfeld etwas nach links vor dem Monitor. Das war anfangs etwas irritierend, vermeintlich lagen die Tasten komisch oder enger. Doch das erwies sich nach kurzer Eingewöhnung als falsch: Sie liegen genau da, wo die (10-Finger schreibenden) Hände sie erwarten2.

Die Irritation entstand bei mir durch den Handballen, der den Cursor gelegentlich über das Touchpad willkürlich positionierte. Eine mögliche Abhilfe: Fn F1 (s. unten).

Nach dem Einschalten mit einem unübersehbaren, beleuchteten Schalter oberhalb der Tastatur – statt verschämt an der Seite verstecktem Fummelköpfchen mit daneben nahezu unsichtbar versenkter LED meines letzten Lenovo – startet die Lichtorgel der Tastaturbeleuchtung. Das kann deaktiviert, die Farbe und Helligkeit stufenlos eingestellt werden.

Windows 11 Pro einrichten

Bei der Installation ist es ausgesprochen nützlich, dass der 1500P im Gegensatz zum letzten Lenovo einen RJ45-Netzwerkanschluss hat. Ohne Adapterfummelei kann er über ein übliches Netzwerkkabel mit dem Netzwerk verbunden werden, was die Einrichtung des Betriebssystems erheblich vereinfacht.

Meine Installationsschritte:

Mein tief verwurzelter Widerstand gegen einen Großteil der Microsoft-Hintergrunddienste und Tools ist zweifellos Geschmackssache.

Wer glaubt, ein Leben ohne Copilot, Bing, Teams, Office365 oder der Überwachung und möglichem Passwortklau mit Recall sei trist und leer, kann sich natürlich behelfsweise einem einzigen US-Großkonzern auszuliefern.

Trotz gutem Start-Image von Terra wurden während der Installation noch diverse Updates nachgeladen. Das wird zukünftig hoffentlich wieder besser, zum Zeitpunkt meiner Installation hat Microsoft jedoch nahezu täglich Nachbesserungen für Windows 11 Pro ausgeliefert.

Aufräumen

Allen Abwehrmaßnahmen während der Installation zum Trotz, werden von Microsoft Dienste und Anwendungen installiert, die keineswegs zwingend erforderlich oder erwünscht sind. Aufgrund der schieren Menge davon gibt es dafür Entrümpelungswerkzeuge. Vor deren Einsatz sollte unbedingt klar sein, was diese Werkzeuge im Einzelnen tun und ob das tatsächlich gewollt ist.

Der treuherzige Einsatz von „Aufräum-Werkzeugen“ ist grob fahrlässig.

Ohne Wenn und Aber ist ein Windows 11 wie es ist besser und sicherer, als eines, das mit einem fahrlässig oder bösartig programmierten Tool „aufgeräumt“ wurde. Mit der Suche »Windows 11 Debloat« werden diverse dafür angepriesene Tools sowie Anleitungen bei den einschlägigen Online-Medien aufgelistet.

In meinem Fall kam – als weiterer Tipp meines Bruders – ein Powershell-Script von Chris Titus zum Einsatz. Das hat den Charme, dass Einstellungen angepasst und fallweise zurückgenommen werden können. Vorausgesetzt, Skripte haben keine abschreckende Wirkung.

Bitte beachten:

Weil diese Tools typischerweise die hauseigenen Schnüffel-Dienste deaktivieren, stuft Microsofts ansonsten sehr brauchbarer Virenscanner diverse solche Programme als gefährlich ein und löscht sie kommentarlos. Das kann deren Verwendung mit einigen Hürden versehen.

Was keinesfalls deinstalliert werden sollte:
  • Die AMD-Software „Adrenalin“. Das ist der Grafik-Treiber für die im Gerät verbaute Grafik-Karte.
  • Das „Control-Center“ ist die Lüftersteuerung, mit der aktiv in die Kühlung eingegriffen werden kann. Was mutmaßlich nie nötig ist, denn die Automatik macht einen vorzüglichen Job. Dort lässt sich auch die Lightshow der Tastatur an den eigenen Bedarf anpassen.
Was nachgerüstet werden sollte:
  • Cristal Disk Info“, eine Software, mit der die SSD überwacht werden kann. Neben der Temperatur wird ggf. durch einen Farbumschlag gewarnt, falls die SSD zu warm oder die Fehlerrate problematisch wird. Rechtzeitig erkannt, lassen sich die aktuellen Daten vielleicht noch retten. Backups werden ohnehin regelmäßig gemacht …

Feinarbeiten

Abhängig von den eigenen Anforderungen lohnt sich ein Blick auf die Energiesparplaneinstellungen. »Ausbalanciert« ist der Laptop im Akku-Betrieb nur in absolut stiller Umgebung wahrnehmbar. Ist ein Netzteil angeschlossen und die maximale Leistung zulässig, wird er gelegentlich leicht vernehmlich. Vermutlich, weil Hintergrund-Prozesse die dann zugelassene, abrufbare Leistung auch nutzen.

Bei der Konfiguration des Geräts habe ich die Touchscreen-Gesten in Windows deaktiviert. Es macht ohne Touchscreen in der Benutzung keinen Unterschied, vielleicht spart es ein par Pikoampere Strom, wenn Windows das Suchen nach Berührungen unterlässt.

Dabei sind mir im aktuellen Windows 11 Pro Einstellmöglichkeiten für das Touchpad aufgefallen (Suche → Touchpad-Einstellungen → Erweiterte Gesten). Es gibt einstellbare Funktionen für Gesten mit zwei, drei und sogar vier Fingern. Das kann – sobald man sich selbst sortiert und die eingestellten Funktionen gemerkt hat – Arbeitsabläufe signifikant beschleunigen.

Für Menschen, die regelmäßig mit Laptops anderer Leute arbeiten (müssen), kann das mit anderen oder fehlenden Einstellungen den Arbeitsrhythmus empfindlich stören.

Das Wissen der individuellen Ein- und Abstellbarkeit ist deshalb womöglich auf die eine oder andere Weise wertvoll.

Akku-Schoner

Im BIOS (Einschalten → F2 festhalten) gibt es einen konfigurierbaren Schonmodus für den Akku (AdvancedAdvanced Chipset ControlFlexiCharger). Eine einstellbare Ober- und Untergrenze für das Laden der Batterie verhindert den vorzeitigen Akku-Tod, wenn das Netzteil dauerhaft eingesteckt ist. Diese sehr sinnvolle Funktion erfordert lediglich eine etwas andere Herangehensweise für das Laden im mobilen Einsatz. Wird das Netzteil eingesteckt, wenn sich das Gerät zwischen Ober- und Untergrenze der Schutzfunktion befindet und verwendet wird, wird zwar Netzstrom für den Betrieb verwendet, doch kein Akku geladen.

Soll der Laptop nach einer Zugfahrt während der Kundenpräsentation aufgeladen werden, kann das ein Problem werden. Der Laptop geht im Akkubetrieb sparsam mit Strom um. Deshalb muss er womöglich zuerst ohne Netzteil unter die Ladeschwelle gebracht werden, damit der Ladevorgang trotz Betrieb gestartet wird. Dann wird während dieser Arbeitssitzung kontinuierlich bis zur eingestellten Obergrenze geladen.

Die Funktion sollte allerdings in regelmäßigen Abständen deaktiviert, der Akku voll geladen und anschließend ziemlich leer entladen und nochmals auf 100 % geladen werden. Andernfalls wird die Restzeit-Anzeige in Windows unzuverlässig, weil die Obergrenze des schonenden Ladens als „Akku voll“ annimmt3.

Funktionstasten

Der 1500P hat eine normale Tastenbelegung, die STRG-Taste liegt außen, die Umschalttaste für die Funktionstasten rechts daneben. Weshalb keine Umschaltung im BIOS erforderlich ist, damit das so ist. Beim Wechsel von Lenovo kann es irritieren, dass der Tastenaufdruck der Tastenfunktion entspricht. Ohne eine spezielle Software – zumindest ist mir keine aufgefallen – werden die Funktionstasten mit Fn dem Aufdruck zugeordnet:

TasteFunkion
F1 Touchpad ein/aus
F2 Display an/aus
F3 Lautsprecher an/aus
F4
F5 Leiser
F6 Lauter
F7 Projizieren
F8 Display dunkler
F9 Display heller
F10 Kamera an/aus
F11 Flugmodus an/aus
F12 Ruhemodus (wenn zugelassen)
Tipp

Ich lege den Bildschirmschoner, das mitgelieferte Tuch, das die Übertragung der Fettfinger auf den Monitor verhindert, eingerollt über den Funktionstasten davor. Das sorgt dafür, dass er vor dem Zuklappen wieder ausgebreitet auf den Tasten liegt.

1Das sind die Feature meines vom 1500P abgelösten Lenovo-Geräts. Weder Touchscreen, noch Stift noch Tablet-Funktion habe ich jemals produktiv verwendet.

2Die am PC ein Periboard-535 gewohnt sind.

3Das ist dem Hinweis neben der Funktion im BIOS entnommen.