Bei nahezu allem, das ich als Gebrauchsgegenstand anfasse, kommen zumindest diverse Bestandteile davon aus China. Mein zukünftiges Elektro-Auto ist „100% von dort“.
Inhalt
In meinem Blog »Wortwei.de« gibt es eine Anzahl Beiträge mit kritischer Sicht auf das Thema »Elektromobilität«. Weshalb der Kauf eines E-Autos widersprüchlich erscheinen könnte. Was es gefühlt tatsächlich war. Doch die kritische Auseinandersetzung führt überraschend gradlinig zum E-Auto als Nutzfahrzeug.
Die in diesem Artikel gezogenen Folgerungen basieren auf meiner Lebenssituation. Ob und in welcher Weise das auf andere Lebensumstände übertragbar ist, muss das Ergebnis eigener Überlegungen sein, in die hier niedergeschriebene Gedanken lediglich einfließen können.
Vorüberlegungen
Mit Blick auf das, was die aktuelle Regierung „Energiepolitik“ nennt, ist ein „Stromer“ mit Risiken behaftet. Wenn nur noch Wärmepumpen als Heizung zulässig sein sollen, geht die Schere zwischen Stromerzeugung und Strombedarf noch weiter auf, sobald kein Atommeiler, Gas- und Kohlekraftwerk mehr in Betrieb ist und nachts Windstille herrscht. Die verbleibende Wasserkraft reicht mit etwas Glück – und entsprechender Schaltungslogistik – für die Stromversorgung von Krankenhäusern.
E-Autos ohne Ladung sind in so einem Fall ein sekundäres Problem. Die bleiben lediglich stehen, wo sie stehen. Bei Wärmepumpen sieht das etwas anders aus.
Sonnenschein vorausgesetzt, springt morgens die Stromversorgung hoffentlich an: Weil viele gleichzeitig Strom benötigen, ist das schnell mehr, als mit dem ersten Sonnenstrahl erzeugt werden kann. Weshalb Sicherheitseinrichtungen die Strombereitstellung beschränken und bei Stromknappheit in vielen Netzen „Heizstrom“ oder „Ladestrom“ zuerst abschalten.
Dann steht das Auto halt.
Zu teuer
Die hiesigen Hersteller konzentrieren sich bei E-Fahrzeugen auf das „Dickschiff-Segment“, in dem sich mit kleinen Stückzahlen reichlich Geld verdienen lässt. Anschaffungskosten jenseits des durchschnittlichen Geldbeutels machen die politisch gewollten Zulassungszahlen unwahrscheinlich.
E-Autos mit weniger umbauten Raum und bewegter Masse gibt es bei vielen Herstellern lediglich im Prospekt. Falls tatsächlich käuflich, aufgrund des Preises bestenfalls als Zweitwagen für Gutbetuchte ohne Zeitdruck: Die Lieferzeiten für E-Autos variieren zwischen 3 Monaten in der „Premiumklasse“ bis „Bestellstopp“. Je bezahlbarer desto länger, 12 - 20 Monate für die, die noch bestellen konnten. Die Auftragsbücher sind voll.
… ist relativ
Über Umwege wurde ich vor etwas über einer Woche auf den »MG 4« aufmerksam. Der Markenname der vormals englische Traditionsmarke »MG« wurde 2005 von SIAC Motors erworben. Das ist das chinesische Pendant zur Volkswagen AG in Deutschland und deren Kooperationspartner im Reich der Mitte. Was dem Ganzen „Würze“ verleiht:
Der »MG 4« wird in diversen E-Auto-Beiträgen als „ID.3-Killer“ stilisiert. Hochwertige Verarbeitung, bessere Ausstattung, erheblich günstigerer Preis.
Der „Mulan“ (Name in China) ist zwar kein Schnäppchen. Doch der Listenpreis der „Vollausstattung“ liegt unter dem des ID.3 Basismodells2.
Autoportale bieten den „MG 4 Luxury“ zur Zeit um 32k€ an. Auf Nachfrage wird es komplizierter:
»Vorbestellungen sind momentan unmöglich, die Wartezeit darauf beträgt mindestens 9 - 12 Monate. Den „Standard“ hätten wir vorrätig, der ist mit 25k€ sogar deutlich günstiger.«
Niemand kann beantworten, wann, zu welchem Preis und ob überhaupt eine Nachrüstung des Basismodells mit „Luxury“-Funktionalität möglich wäre. Gerade die machen für mich das Auto interessant.
Generell bringen diese Preise E-Mobilität in bezahlbare Reichweite für Pendelnde oder „Gelegentlich-Fahrende“ wie mich, die über einen „neuen Kompakten“ nachdenken. Der »MG 4« liegt sowohl in den Dimensionen als auch der Preisspanne in der „Verbrenner-Golfklasse“ und noch unter den Listenpreisen diverser „Kleinst-E-Autos“ besser bekannter Anbieter in Deutschland.
Passt!
Eigentlich steht der vorhandene Mazda CX 3 „gut da“ und könnte durchaus noch 10 Jahre oder länger durchhalten. Aber:
Mein Mobilitätsbedarf lässt sich problemlos mit einem E-Auto realisieren, das deutlich effizienter mit Energie umgeht und deshalb umweltfreundlicher ist:
- »CX 3«
-
- Bordcomputer 7 l/100 km ≙ 67,9 kWh ≙ 32,93 kg CO2
Ein Liter Superbenzin sind äquivalent zu 9,7 kWh Strom (lt. Heise-Artikel.), kWh als Umrechungsfaktor für CO2-Berechnung, Maximalwert 2021
- »MG 4«
-
im Mittel < 16 kWh ≙ 2 l/100 km ≙ 7,76 kg CO2
Diese Verbrauchwerte bestätigen diverse „Youtube-Videos“.
- „Grüner fahren“ passt zu meinem Umweltbewusstsein. Wobei mich das »Thema Altbatterie« bisher abgeschreckt hat. Der »MG 4« soll für einen Akkutausch vorbereitet sein – was gleichermaßen dem Recycling zugute kommen müsste.
Wenn's soweit ist , sollte es dafür – hoffentlich – eine umweltgerechte Lösung geben. - Die Wartungskosten eine Verbrenners liegen deutlich über den (vom Hersteller benannten) Kosten für einen Stromer.
- Es fällt kein vom Hersteller jährlich erzwungener Motoröl-Wechsel für den Garantie-Erhalt an, das entsorgt werden muss.
- Der »CX 3« hat momentan eine gute „Gebracht-Preis-Quote“.
Der »MG 4« ist für uns die Alternative zum Verbrenner – der in vergleichbarer Ausstattung kaum zu einem vergleichbaren Preis erhältlich ist.
Anhänger?
Unser Auto steht die meiste Zeit ungenutzt im Hof. Gänzlich „ohne“ ist im Speckgürtel Berlins dennoch problematisch. Arztbesuche, Einkäufe, unser großer Garten, sowie gelegentlich erforderliche Dienstreisen3 erfordern ein motorisiertes Transportmittel.
Für den Garten und noch anstehende Sanierungsarbeiten hat sich ein kleiner Anhänger als zweckmäßig erwiesen. Doch „etwas anhängen“ war in der elektrischen Kompaktklasse bisher kein Ausstattungsmerkmal. Eine zulässige Zuglast von NULL Kilogramm ist Standard.
Bei MG gibt es dagegen gleich mehrere Elektrofahrzeuge in diesem Segment, die 500 kg (gebremst/ungebremst) ziehen dürfen . Für einen Wohnwagen oder ein Turnierpferd zu wenig, für meine Anforderung völlig ausreichend.
Die Ausrüstung mit Anhängerkupplung kostet beim »MG 4« etwa das Gleiche wie bei einem Verbrenner.
Ein Anhänger wird mit Sicherheit die Reichweite beeinflussen (wie bei einem Verbrenner). Grünschnitt-Deponie, Gartencenter oder Baumarkt, hin und zurück, sollten dennoch absolut unkritisch sein.
Geht „reisen“?
Wer sein E-Auto verlässlich zu Haus laden kann, kommt meistens bereits mit Akku-Reichweiten ab 150 km gut zurecht. Mittels Schuko-Steckdose lässt sich über Nacht die benötigte Energie für das durchschnittliche Pendeln nachladen.
Der »MG 4« hat — je nach Messmethode — eine Reichweiten von 400 km ± ca. 50 km und kann in rund einer halben Stunde von 10 auf 80% (≙ ca. 280km) geladen werden.
Wer bei Autofahrten alle zwei Stunden eine Viertelstunde Pause macht, kann das Notwendige (aufladen) mit dem Nützlichen (Beine vertreten) verbinden und auf diese Weise entspannt lange Strecken absolvieren.
Für mich ist das ein konkreten Vorteil: „Durchblasen“ und völlig ausgelutscht bei überschaubarem Zeitgewinn am Ziel einer längeren Reise ankommen, wird „technisch verhindert“. Der Sorge, auf der Strecke könnte der Strom ausgehen, ist die Erkenntnis gewichen, dass es überall Strom gibt. Im ungünstigsten Fall lässt sich mit einer längeren Pause aus einer Schuko-Dose die erforderliche Ladung zur nächsten „schnellen“ Stromsäule zapfen.
„Schukostrom“ wird sowieso meine primäre Ladevariante sein. Der Ladevorgang wird auf das mögliche Minimum reduziert und im Normalfall bei 80% beendet. Die dafür erforderlich Zeit ist bei uns — s.o. — unerheblich, dafür schont es den Akku4.
Als weiteres „Selbstbau-Projekt“ steht noch eine kleine Solaranlage auf dem Zettel, die den generellen Bedarf an (gekauftem) Windstrom verringern soll.
Der Plan ist kein „Einspeise-Kraftwerk“, sondern lediglich eine spürbare Eigenbedarf-Reduzierung.
Mit einer darauf abgestimmten Ladestrategie bekommt das Auto einen „Solar-Akku“. 100 km Autofahrt erzeugen mit dem so erzeugten Strom 0 Gramm CO2.
Komfort-Verlust?
Für mein Nutzungsprofil bedeutet ein »MG 4« einen Komfort-Zuwachs. „Tanken“ wird beiläufig erledigt, sowie preiswerter und umweltverträglicher sein, als aktuell mit dem damit abgelösten Mazda »CX 3« (s.o.).
Bei längeren Strecken und ungünstigem Stromkurs/Wetter könnte der Stromer rechnerisch teurer als der Benziner werden. Unter diesen Bedingungen bleibt allerdings schon seit Jahren das Auto stehen. Mich nervt das damit verbundene Verhalten der übrigen Verkehrsteilnehmer und die davon ausgehende Gefährdung für mich. Das bleibt so.
Aufgrund der namensgebenden, luxuriösen Ausstattung wird „motorisch unterstützte Fortbewegung“ angenehmer und sicherer als bisher sein. Beim Probesitzen stellte sich sofort ein gutes Gefühl ein. Die Probefahrt wurde bereits nach rund 10 Minuten „um die Ecken fahren“ bewusst beendet:
Der durchaus geschätzte CX 3 war deutlich deklassiert. Die diversen Assistenten ausprobieren erschien darüber hinaus sinnlos: „Auf die Schnelle“ unmöglich und keiner davon ein „K.o.-Kriterium“.
Verfügbarkeit?
An den erwähnten Bestellzeiten konnte ich mich durch einen Zufall vorbei mogeln: Der letzte Vorführwagen eines Berliner Autohauses wird Anfang Mai auf meinen Namen zugelassen5. Für die gefahrenen Kilometer auf dem Tacho gibt es zwei neuwertige Reifensätze, die aktuelle Software ohne weitere Werkstattbesuche. Die Anhängerkupplung soll ebenfalls schon eingebaut sein.
Wie geht's weiter?
Es wird sich zeigen, ob das eine vorschnelle oder kluge Entscheidung war. Meinerseits ist kein zwingender Zugriff auf ein PKW erforderlich. Üblicherweise lassen sich „Fahrtermine“ elastisch handhaben. Heute, morgen, übermorgen: egal. Im ungünstigsten Fall wäre ein Taxi der Ausweg.
Das ist Luxus – ich weiß. Doch der ist völlig unabhängig vom Fahrzeug. Umgekehrt erlaubt mir genau das eine entspannte Einflussnahme auf die Art des Fahrzeugs. Wie entspannt das letztendlich sein wird, kann – sobald entsprechende Informationen vorliegen – bei Interesse hier nachgelesen werden.
2Womöglich der Grund, weshalb VW die Preise des ID.3 in China halbiert haben soll.
3Spätestens wenn am Zielbahnhof ein Leihwagen für das Erreichen des eigentlichen Ziels erforderlich wird, ist bereits ein durchschnittlicher Verbrenner vor der Haustür eine Kosten- und vor allem erhebliche Zeit-Konkurrenz zum verfügbaren öffentlichen Verkehrsnetz. Leider.
4Falls es doch mal „pressiert“: Der MG 4 kann maximal 135kW DC (zugesichert, tendenziell eher etwas mehr) über CCS laden (entspricht 450km/Stunde). Dafür gibt es mittlerweile ein engmaschiges Ladenetz, wenn auch ggf. mit Säulen, die unter den Möglichkeiten bleiben.