Kurztest Papyrus 9x BETA

Mein letzter Papyrus-Test liegt rund zweieinhalb Jahre zurück. Mein neues Testergebnis liegt – wie beim Kurztest Softmaker Office 2018 – ebenfalls in Prosa als PDF-Dokument zum herunterladen bereit. Nachfolgend hier nur das Testfazit.

Das vollständige Dokument im PDF-Format, erstellt mit Papyrus 9.14g|h|i BETA vom 29.08.2019 – 04.09.2019 (→ Rechtsklick → Herunterladen… oder PDF direkt ansehen)

Nach dem Autoupdate heute Programmversion 9.15 Was an Papyrus 9 anders ist: keine Ahnung. Natürlich stoße ich mich weiterhin an diversen Sachen, die mich schon beim letzten Test gestört haben. Sie wirken in Version 9 irgendwie milder, verträglicher.

Wer sich darauf einlässt, von ständigen Vergleichen der Art „bei hmhmhm ginge das jetzt leichter, schneller, einfacher, bla …“ absieht, die anfangs definitiv höhere Hürde als bei anderen Systemen mit mehr Anlauf nimmt, sowie die dafür erforderlichen Ausdauer mitbringt, wird mit Papyrus Spaß haben.

Die Highlights sind zweifellos der ausgezeichnet integrierte Duden Korrektor, der überragende Thesaurus, die sehr fein anpassbare Stilanalyse. Neu ist das „Denkbrett“, das an eine Mindmap angelehnt ist und doch ganz anders funktioniert.

Die wesentlichen Zielformate sind direkt erzeugbar, es gibt noch einige spezielle Werkzeuge, die vor allem für fantasievolle und konsistente Bücher gedacht sind. Ich kann mir mittlerweile vorstellen, dass sie sich mit etwas gutem Willen gleichermaßen für Dokumentationsaufgaben nutzen lassen – was jedoch noch zu beweisen wäre.

Mit einigen gestalterischen Abstrichen, der Notwendigkeit, sich für Objekte jedes Mal wieder mit der Positionierung herumzuschlagen, drängt sich Papyrus für Handbücher und Dokumentationen keineswegs auf. Die exzellente Unterstützung des Korrektors, die Stil- und Lesbarkeitsanalyse sind jedoch zweifellos auch in Dokumentationen wertvolle Hilfen zur Qualitätssteigerung.

Der aktuelle Test lässt mich ein wenig wanken. Ich habe mich in den letzten Jahren mit LaTeX eingerichtet, objektiv betrachtet verlangt das jedoch ebenfalls ein gesundes Maß Leidensbereitschaft. Deshalb werde ich Papyrus sehr aktiv in meine Überlegungen für zukünftige Dokumentationsprojekte einbeziehen.

Es könnte jedoch ein konkretes Handycap sein, dass sich kein anschnittgerechter PDF-Export realisieren lässt. Es können zwar Objekte in den Seitenrand geschoben werden, der Druckbereich endet allerdings auch genau dort. Für eine Druckerei-taugliche Ausgabe muss ein negativer Rand möglich sein. Denn Schneidemaschinen in Druckbetrieben haben eine Toleranz. Soll es keine „Blitzer“ geben, müssen beispielsweise Fuß- und Kopfzeilen-Boxen (wie hier) an den Seiten 2-5mm überragen, damit sie im fertigen Buch unabhängig vom Schnitt verlässlich ohne weißen Rand sind.

Was mir schon in der Vergangenheit mehrfach aufstieß und im Rahmen dieses Test wieder hochkam, ist das „Schönwetter-Forum“. Es gibt eine rege Community, doch Beiträge, die dem Administrator gerade unpässlich erscheinen, werden kommentarlos gelöscht. Insbesondere solche, die Fehlermeldungen enthalten, sind schlecht gelitten. Was in einem Beta-Test-Bereich ein eigentümliches Spannungsfeld aufzieht, wenn dort einerseits Wert auf Erfolgsmeldungen gelegt wird, die Meldungen von Problemen oder Mängeln andererseits Gefahr laufen, zeitnah in der Tonne zu landen.

Konstruktive Fehlermeldungen von mir wurden wiederholt gelöscht. Da ich neben Papyrus weitere Produkte in Beta-Versionen teste, weiß ich, dass dieser Umgang mit Betatestern „unüblich“ ist. Im Gegenteil: Er ist sehr befremdlich.
Es ist respektlos und ungehörig, wie mit meiner Lebenszeit (und der anderer, wie ich mittlerweile weiß) umgegangen wird, die kostenlos für den Hersteller aufgewandt wird, damit er eine Dokumentation und Rückmeldung für die Verbesserung seines Produkts erhält.

Genau das macht mich skeptisch, ob Papyrus für mich tatsächlich zur Wahl steht. Denn insbesondere beim intensivem, wechselnden Einsatz werden mehr Mängel sichtbar als in einem durchkonfigurierten Langzeitprojekt. Für daraus resultierende Probleme muss es einen verlässlichen Meldeweg geben, der zeitnahe Antworten, besser noch die Beseitigung von Fehlern generiert. Das wird mit solch einer „Bearbeitung“ von Rückmeldungen konterkariert. Deshalb wurde dieser Programm-Test auch relativ abrupt bei der Bearbeitung von Dokument-Version 2 abgebrochen.

Mit derartigem Verhalten haben die Macher von Papyrus in der Vergangenheit (mindestens) einen attraktiven Auftrag verloren. Ich hatte es einem Software-Beschaffer in einem großen Unternehmen avisiert, der angetan war. Er entschied sich letztendlich allerdings aufgrund vergleichbarer Rüpeleien gegen die firmenweite Anschaffung von Papyrus.